Ysselsteyn 2015 - Tag 2

Einzelschicksale und Zeitzeugengespräch

Am Samstagvormittag setzten wir uns mit einigen Einzelschicksalen von auf dem Friedhof begrabenen Personen auseinander. Mit verschiedenen Materialien, die von den Hinterbliebenen der Begegnungsstätte zur Verfügung gestellt wurden, versuchten wir das Leben der Menschen aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und zu begreifen. Daraufhin gingen wir in Kleingruppen mit unseren entworfenen Plakaten zu dem Grab der Person und versuchten dem anonymen Kreuz ein Gesicht zu geben und seine Geschichte zu verstehen. 

Wir betrachteten das Leben von verschiedenen Menschen, wie beispielsweise das eines Uhrmachers, der in den Krieg zog, ohne sich dem angehörig zu fühlen, um schließlich jung zu sterben, oder das eines überzeugten SS-Offiziers, der bis zum Ende des Krieges überzeugt für die Nationalsozialisten kämpfte.

Besonders an dieser Stelle ist noch einmal der Einsatz der Jugendbegenungsstätte Ysselsteyns zu betonen, ohne den es wahrscheinlich all diese Geschichten und Erinnerungen nicht mehr gäbe, was zu einer unwiederbringbaren Auslöschung an Erinnerungen und Lebensgeschichten führen würde und ein Aufarbeiten erschweren würde.

Am Nachmittag besuchte uns auch in diesem Jahr ein Zeitzeuge. An dieser Stelle werde ich nur wenig berichten können, da es schlichtweg nicht möglich ist, das Gespräch mit einem Zeitzeugen vollkommen genau wiederzugeben.

Er berichtete über seine Zeit als Kind, wie ihn der Krieg überraschte und wie er ohne seine Familie fliehen musste. Wie er es trotz der Widrigkeiten in seinem Alltag und der allgegenwärtigen Gefahr geschafft hatte zu überleben, und schließlich wie er es schaffte, den Deutschen zu vergeben und zum ersten Mal vor deutschen Schülern über sein Leben berichten konnte.

Nach dem Gespräch bekamen wir Zeit, um uns das Gehörte bewusst zu machen, um es dann anschließend gemeinsam aufzuarbeiten oder Mögliche Fragen zu klären. Viele waren beeindruckt von ihrem ersten Zeitzeugengespräch und auch für die Schüler, die zum 2. oder 3. Mal mit waren, war es wieder ein unvergleichbarer Moment. 

Am späteren Tag ist immer etwas Zeit, um in die naheliegende kleine Stadt zu gehen oder sich z.B. etwas sportlich auf dem Gelände der Begegnungsstätte zu betätigen. 

Nach dem gemeinsamen Abendessen gehört es schon zur Tradition den Abend in Gesellschaft am Lagerfeuer und Musik und netten Gesprächen zu verbringen.