Exkursion zur Kriegsgräberstätte Ysselsteyn

Exkursion zur Kriegsgräberstätte Ysselsteyn

Angestoßen durch den Tipp des Volksbunds und bezuschusst vom Paderborner Firmeninhaber Wolfgang Bremer wurde am GSN erstmals eine Exkursion zu einer Kriegsgräberstätte durchgeführt. Parallel zu der Unterrichtsreihe „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ der Klassen 10 sollte diese Fahrt die Möglichkeit bieten, die „emotionale“ Seite des Themas zu vertiefen und aufzuarbeiten. Eine erste Vorabinformation erhielt die Gruppe vom Volksbundschulreferenten Herrn Bülter, der über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Soldatenfriedhof und die Jugendbegegnungsstätte Ysselsteyn referierte. Am 02.07.04 ging es nach einer Verabschiedung durch Landrat Dr. Rudolf Wansleben (siehe auch: http://www.volksbund-kreisverband-paderborn.de/html/gymn_neuh.html), der gleichzeitig auch das Amt des Vorsitzenden des Kreisverbandes Paderborn im Volksbund bekleidet, mit 35 interessierten Schülerinnen und Schülern aus allen 10er Klassen unter der Leitung von Nina Conredel in Begleitung von Daniel Ocken auf die Reise.

Die Stimmung im Bus war ausgelassen, die Fahrt dank vieler Gesangseinlagen und angeregter Gespräche kurzweilig, als die Gruppe auch schon um 14 Uhr Ysselsteyn eintraf. Nach dem Entladen des Busses ging es direkt zum ersten Programmpunkt, dem Arbeitseinsatz auf dem Friedhof. Die Betreuerin Christine rüstete die Schülerinnen und Schüler mit Plastikplanen, Wurzelbürsten und weißen Eddings aus und man betrat erstmalig den Friedhof, auf dem mehr als 32.000 Tote des Ersten und Zweiten Weltkriegs bestattet wurden. Der überwältigende Anblick von unendlichen Kreuzreihen (Foto 20) schlug sich in den betroffenen Gesichtern der Exkursionsteilnehmer und – teilnehmerinnen nieder, weshalb es geradezu eine Befreiung bzw. angenehme Ablenkung war, etwas tun zu können. So schrubbten die Schülerinnen und Schüler voller Tatkraft die Kreuze sauber, um anschließend fein säuberlich die Grabinschriften nachzuzeichnen.

Nachdem der erste Gräberblock instand gesetzt worden war, kam es leider zu einem abrupten Wetterumschwung, sodass die Gruppe im strömenden Regen den langen Rückmarsch antreten musste. Nach einem wärmenden Tee bekamen die Schülerinnen und Schüler ihre Zimmer in den sympathischen Holzblockhäusern zugeteilt, welche sofort wohnlich eingerichtet wurden. Abends hatte die Gruppe Gelegenheit, sich bei Gesellschaftsspielen und netten Gesprächen näher kennen zu lernen, bis es um 23 Uhr in die Häuser und um Mitternacht in die Betten ging. Am Samstagmorgen traf sich die Gruppe direkt nach dem Frühstück zur Erarbeitung von Fragen, die man dem etwas später eintreffenden Zeitzeugen, Herrn Verduin, stellen wollte. Dieser ehemalige jüdische KZ-Insasse sprach eine gute Stunde über seine damaligen Erlebnisse und es herrschte während der gesamten Zeit eine betroffene und respektvolle Stille im Raum. Anschließend hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, ihre unbeantwortet gebliebenen Fragen zu stellen. Beeindruckend war besonders, dass Herr Verduin keinen Hass verspürt, sondern mit seinem Schicksal abgeschlossen hat, um sein verbliebenes Leben zu genießen. Sehr gefreut hat er sich übrigens über den Bildband "Paderborn" und unser gutes Paderborner Bier…

Danach stärkten sich die Ysselsteynfahrerinnen und -fahrer beim Mittagessen, um sich anschließend in Kleingruppen mit sechs Einzelschicksalen zu beschäftigen, deren Leben zuerst auf Plakaten festgehalten und danach den anderen vorgestellt wurde. Es schloss sich eine Führung über den Friedhof an, um einerseits die Gräber der sechs Menschen aufzusuchen, mit denen man sich gerade beschäftigt hatte, und andererseits allgemeine Informationen zu bekommen. Sehr erschütternd war unter anderem der Hinweis, dass es mehrere Tausend unbekannte Soldaten auf dieser Kriegsgräberstätte gibt, die wahrscheinlich nie mehr identifiziert werden können. Betroffen hat zudem die Mitteilung gemacht, dass Soldaten, die zum Zeitpunkt ihres Todes ganz nah beieinander aufgefunden wurden, in benachbarten Gräbern bestattet wurden, deren Kreuze ebenso nah nebeneinander stehen.

Nachdem es leider wieder einen Wolkenbruch gab, schauerte die Gruppe in dem zum Friedhof zugehörigen Informationshäuschen, in dem die Namen aller Toten alphabetisch aufgelistet zu finden sind. Abends spazierte die gesamte Gruppe ins angrenzende Dorf Ysselsteyn, in dem eine kleine Kirmes gastierte. Hier hatte man Gelegenheit, mit der einheimischen Bevölkerung ins Gespräch zu kommen und nach all den bedrückenden Erlebnissen des Tages etwas abzuschalten. Am letzten Tag war die Endreinigung der Häuser und der Gemeinschaftsräume angesagt, welche zur vollsten Zufriedenheit der Betreuerin der Jugendbegegnungsstätte erledigt wurde, so sauber wäre es schon lange nicht mehr gewesen. Lob, welches man gerne hört und welches den guten Ruf unserer Schule sowie unserer Schülerinnen und Schüler bestätigt.

Nach einem abschließenden Fußballspiel hieß es Abfahrt nach Overloon, wo die Gruppe das Kriegs- und Widerstandsmuseum erwartete, in dem originale Kriegsutensilien von Flugzeugen bis Panzern betrachtet werden konnten. Zusätzlich wurde die Gruppe in einer Führung über den niederländischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs informiert. Nach diesem abschließenden Programmpunkt ging es zurück nach Schloß Neuhaus, wo die Gruppe um viele Erfahrungen reicher gegen Abend ankam. Da die Fahrt von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern äußerst positiv beurteilt wurde, wird diese Exkursion wahrscheinlich auch in den folgenden Jahren angeboten werden.

Fotos: Daniel Ocken
Text und Gestaltung: Nina Conredel und Jürgen Möller
Überarbeitung: Eva Nicolin-Sroka