Sportlerin des Jahres 2009 Fabienne Lütkemeier 06.02.2010

banner
Portrait

Fabienne, vor nicht allzu langer Zeit bist du zur Sportlerin des Jahres 2009 in Paderborn gekürt worden. Mit 19 Jahren gehörst du meines Wissens zu einer der jüngsten Sportlerinnen, die diese hohe und wertvolle Auszeichnung – neben deinen vielen Medaillen natürlich - erhalten hat. Was bedeutet dir die Wahl und wie hast du den Sportlerball in der Paderhalle mit so vielen Ehrengästen erlebt?

Für mich ist es eine sehr große Ehre als junge Dressurreiterin mit solch einem Preis ausgezeichnet zu werden. Es war eine tolle Atmosphäre und es hat sehr viel Spaß gemacht!


Viele Mädchen wünschen sich schon in ganz jungen Jahren auf dem Rücken eines Pferds zu sitzen. Wie hat die Liebe zum Pferd und zum Pferdesport bei dir angefangen?

Ich habe schon auf dem Pferd gesessen bevor ich laufen konnte! Mit 2 ½ Jahren habe ich meine erste Führzügelklasse mit meinem Shettland Pony "Karo" geritten, der mich allerdings sehr oft abgeworfen hat. Deswegen kam dann irgendwann "Winni", mit dem ich von Winnetou-Spielen bis zur Jugendreiterprüfung auf kleinen Turnieren alles gemacht habe!
Kurz vor meinem 14. Geburtstag erzählte mir meine Mutter, dass sie mit 14 Jahren ihre erste Dressur der schweren Klasse (S-Dressur) geritten hat, und da hat mich der Ehrgeiz gepackt, das wollte ich unbedingt schaffen!
Letztendlich habe ich es dann geschafft.


In deinen Adern fließt ja nun auch reichlich "reiterliches Blut", du bist also – wen ich das so sagen darf – „vorbelastet“, auch wenn du dir sicherlich vieles oder beinahe alles selbst erarbeitet hast….

Im Reitsport muss man sich eigentlich alles selbst erarbeiten, dennoch ist es natürlich toll, wenn man von seiner Familie unterstützt wird, denn sonst ist es quasi unmöglich den Sport erfolgreich auszuüben!


Viele Sportinteressierte haben nicht so den Zugang zur Pferdedressur, obwohl ja Deutschland viele große Dressurreiter(innen) hervorgebracht hat... .

Für mich zeichnet sich der Reitsport generell dadurch aus, dass man mit einem Lebewesen zusammenarbeitet, welches genau wie man selber gute und schlechte Tage hat, darum ist die Zusammenarbeit immer interessant und spannend! Der Reitsport ist die einzige Sportart, bei dem man mit einem anderen Lebewesen, einem Tier zusammenarbeitet. Der Dressursport zeichnet sich dadurch aus, dass man jahrelang die Zusammenarbeit präzisiert und sich aufeinander abstimmt, damit man dann am Ende der Ausbildung von Pferd und Reiter der Perfekten möglichst nahe kommt.


Die schulische Ausbildung ist ja heutzutage kein Kinderspiel. Wie schaffst du es, Schule, Leistungssport, Freizeit und Familienleben unter einen Hut zu bekommen?

Natürlich ist es nicht immer einfach, aber ich versuche meinen Turnierkalender so zu gestalten, dass ich zum Beispiel in Klausurphasen möglichst keine Turniere habe und Ferien werden beispielsweise besonders intensiv genutzt!
Wenn meine Planung dann mal nicht so aufgeht bin ich dann auf Beurlaubungen vom GSN angewiesen, die von Schul- und Oberstufenleitung immer verständnisvoll erteilt werden!


Wenn Andere über den Dressursport reden, gibt es bestimmt etwas, was dir nicht gefällt oder sogar ärgert ....

Der Kommentar "Reiten ist kein Sport"
Der Sport ist sehr aufwendig und unglaublich zeitintensiv, denn es ist ein 24h Job 365 Tage im Jahr! Ein Pferd kann man nicht, wie zum Beispiel einen Ball in ein Regal legen, man muss sich immer um sie kümmern!


Du bist Junioren-Europameisterin mit vielen weiteren Titeln und exzellenten Platzierungen und hast zudem das Deutsche Reiterabzeichen erworben. Was hast du dir nun für die Zukunft sportlich, aber auch neben dem Sport vorgenommen? Schließlich baust du ja in einigen Monaten dein Abitur!

Sportlich gesehen möchte ich mich sehr gerne erneut für die EM qualifizieren und dort gut abschneiden! Außerdem möchte ich meine Grand Prix Erfahrung ausbauen und noch besser in der olympischen Aufgabe der Dressur werden!
Ansonsten steht erstmal ein gutes Abitur auf der Wunschliste und danach möchte ich auf jeden fall studieren!


Ich wünsche dir als Leiter der Oberstufe, aber auch als Sportfan zunächst einmal ein gelungenes Abitur und als Sportlehrer weitere große sportliche Erfolge im Dressurreiten. Wie sagt man in Reiterkreisen?

Hals und Bein!

Zwischenzeitlich hat auch das Gymnasium Schloß Neuhaus die herausragenden Ergebnisse von Fabienne gewürdigt und ihr dafür am 7. Februar 2010 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung den GSN-Award für besondere sportliche Leistungen verliehen.

Danke für das offene und auskunftsfreudige Gespräch.

Bildergalerie zur Europameisterschaft