Texas

TEXAS

Der Staat der Cowboys und Kakteen?

Genau das war meine Vorstellung, als ich für ein Jahr nach Texas gegangen bin. Man kann dort schon einige Cowboys und auch Kakteen sehen, aber es gibt auch viele andere interessante Dinge.

Meine Gastfamilie

Die Organisation, mit der ich meinen Austausch gemacht habe, heißt INTO und ich war mit ihr sehr zufrieden. Es gab überhaupt keine Probleme und bei einem Vorbereitungstreffen in Deutschland haben sie mich und auch andere Austauschschüler sehr gut auf unseren Aufenthalt vorbereitet. Dort waren nicht nur Into-Mitarbeiter, sondern auch Ehemalige anwesend, denen man konkrete Fragen stellen konnte. Auch ich werde bald an so einem Treffen teilnehmen. Von der amerikanischen Partnerorganisation wurden wir auch zu einem zweitägigen Vorbereitungstreffen in Houston eingeladen, welches sofort nach unserer Ankunft stattfand. Danach habe ich dann meine Gastfamilie kennengelernt, mit der ich vorher schon per Brief und Telefon Kontakt aufgenommen hatte.  Bei den Thompsons habe ich mich schon von Anfang an wie zu Hause gefühlt. Neben meinen Gasteltern hatte ich noch drei Schwestern, und da blieb wenig Zeit für Heimweh, weil wir viele Dinge zusammen unternommen haben. Dazu gehörten Schwimmen, Einkaufen in den berühmten amerikanischen Malls, Ins-Kino-Gehen, Bowling, die Footballspiele der Schule oder auch einfach Unterhalten. 

Was auch zum ganz normalen amerikanischen Alltag gehört, ist die Kirche. In Amerika gibt es sehr viele verschiedene Religionen und dazugehörige Kirchen. Meine Gastfamilie gehört zur „Church of Christ“, deren Gemeinde nur etwa 40 Mitglieder umfasst. Die Gottesdienste fanden jeden Mittwoch und Sonntag statt. Dabei steht aber nicht nur die Predigt selbst im Vordergrund, sondern auch viele Lieder und außerdem Gespräche mit den anderen Gemeindemitgliedern, die sich alle untereinander kennen. Die Kirche ist einfach eine Art Treffpunkt und an jedem zweiten Sonntag im Monat hat jede Familie sogar etwas Warmes zu essen mitgebracht, um nach dem Gottesdienst mit den Anderen zu Mittag zu essen.

Auch das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich in wesentlichen Dingen vom deutschen. Ich war auf der Ferris High School, die von Stufe 9-12 geht. Ich hatte jeden Tag die gleichen Stunden und kam etwa halb vier nach Hause. Zu meinen Fächern gehörten „normale Fächer“ wie Englisch, Algebra, US-Geschichte oder Bio, aber auch Band, Yearbook, Ernährungswissenschaften und Child Development.

Im letzen Fach musste ich einmal übers Wochenende eine Art Babypuppe mit nach Hause nehmen, die man fast wie ein richtiges Baby behandeln muss. (Immer wenn das Baby hungrig war oder eine neue Windel brauchte, schrie es und man musste für eine bestimmte Zeit einen Schlüssel am Rücken der Puppe drehen. Das konnte drei aber auch dreißig Minuten dauern. Es war wirklich stressig, weil die Puppe auch in der Nacht geschrieen hat. Sie hatte einen kleinen Computer in sich, der dann später angezeigt hat, wie gut man sich um das Kind gekümmert hat.)

Die amerikanischen Noten liegen zwischen 0 und 100 und man bekommt jedes Jahr 6 Zeugnisse. Die Lehrer selbst können entscheiden, wie viele Arbeiten sie schreiben wollen, aber diese sind dann meist nicht so umfangreich und es gibt auch oft Multiple-Choice-Fragen. Die mündliche Mitarbeit zählt eigentlich gar nicht, aber dafür müssen fast alle schriftlichen Aufgaben und Hausaufgaben abgegeben werden, die dann auch benotet werden. 

Ich wurde auch in der Schule sehr herzlich aufgenommen und konnte so auch schnell Freunde finden. Was mir an der Schule gefallen hat, ist, dass man seine Fächer freier wählen kann und es auch eine größere Bandbreite an Fächern gibt. Englisch und Mathe müssen jedes Jahr belegt werden und von den anderen Kursen sind meist ein oder ein halbes Semester verpflichtend, aber der Schüler kann selbst entscheiden, in welchem Jahr er dieses Fach belegen möchte. Jedoch muss man die verpflichtenden Kurse bis zum Abschluss bestanden haben (d.h. mindestens mit einer Note von 70). Man kann also nicht wie in Deutschland ein ganzes Jahr sitzen bleiben, sondern nur in einem Kurs. Die Kurse sind nicht nach Jahrgangsstufen getrennt (außer Englisch). Des weiteren gibt es auch viele andere Aktivitäten, die meist nach der Schule stattfinden. Dazu gehören zum Beispiel Baseball, Football, Volleyball, Schachklub, Cheerleading, Future Homemakers of America (eine Art Kochklub), Chor, Band. Ich war in Band und Colorguard. Das ist ein wenig schwierig zu erklären. Es ist eine Art Show für die Halbzeit der Footballspiele. Dabei wird zu Musik eine Tanzperformance mit verschiedenen Gegenständen (Fahnen, Gewehren, Stäben, Stühlen, etc.) eingeübt. Als die Footballsaison vorbei war, haben wir damit auch an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen. 

Drei Schafe, zwei Gastschwestern und ich

Außerdem habe ich mit zwei meiner Gastschwestern Schafzucht betrieben, denn wir waren bei den „Future Farmers of America“, kurz FFA. Dabei kann man privat ein Tier, wie zum Beispiel ein Rind, ein Schwein, eine Ziege oder eben auch ein Schaf aufziehen, das man dann später bei einer Lifestock Show zeigt. Wir mussten den Schafen beibringen, sich ohne ein Halfter führen zu lassen (was manchmal gar nicht so einfach ist), und des weiteren muss man in der Lage sein, das Schaf in eine bestimmte Stellung zu bringen, damit der Richter den Bau und vor allen Dingen die Muskeln fühlen kann. Man muss also auch auf das Gewicht der Tiere achten. Bei den Shows werden die Tiere dann an den Meistbietenden verkauft. Man kann sich das wahrscheinlich nur schwer vorstellen, aber es macht wirklich Spaß.

Die Menschen in Texas waren alle sehr nett und gastfreundlich. Viele hatten schon irgendetwas von Deutschland gehört und wollten wissen, ob das auch stimmt (z.B. ob es diese tollen Autobahnen auch wirklich gibt, auf denen man so schnell fahren kann, wie man will). Mir wurden auch Fragen wie „Gibt es in Deutschland eigentlich Elektrizität?“ oder „Wisst ihr eigentlich, was ein Toaster ist?“ gestellt.

Viele Leute haben mich auch auf die ehemalige Mauer in Deutschland angesprochen, und ich war überrascht, dass sie auch einiges darüber wussten. Die meisten Amerikaner waren sehr an meiner Heimat, dem Schulsystem, der Politik und der Kultur interessiert. Meine Gastfamilie hat schon in der ersten Woche einige deutsche Sätze gelernt, und ich habe auch mehrmals deutsche Gerichte für sie gekocht. Ich würde mein Austauschjahr auf jeden Fall wiederholen, weil ich einfach unheimlich viele neue Dinge kennen gelernt  und außerdem Freunde fürs Leben gewonnen habe.

Susann Mann, Jgst.12

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