Südafrika

Elisabeth Bürger (Jgst. 11) berichtet kurz nach ihrer Rückkehr von ihrem 
halbjährigen Aufenthalt in Südafrika:

 

Südafrika- ein Land voller Gegensätze

 

Straßenkinder in Kapstadt

Kapstadt und Tafelberg

 

Ist es wirklich schon vorbei? Zurück in Deutschland, nach einem unvergesslichen halben Jahr. Ich weiß noch was ich fühlte, als ich den dicken Umschlag meiner Organisation öffnete und mich eine weiße Familie vom Photo anlachte. Meine Gastfamilie. Weiß und reich, damit hatte ich nicht gerechnet. Kennt man doch die Vergangenheit der weißen Bevölkerung in Südafrika. Doch ich blieb optimistisch, und nach den ersten Telefonaten war die Freude wieder groß.

Beim Landeanflug auf Kapstadt blinkten die Wellblechdächer der Townships in der Sonne. Erwartete mich wirklich einer der schönsten Plätze der Welt? Gehörte dieses Lichtspiel dazu? Ich versuchte mich ohne genauere Vorstellungen auf mein halbes Jahr zu freuen. Am Flughafen wurde ich dann von meinen Gasteltern, meiner jüngeren Gastschwester (16) und meinem counselor empfangen. „Zu Hause“ sollte dann noch meine andere Gastschwester (23) auf mich warten. 

Ich zog in mein bis dahin noch fremdes Zimmer ein. Ungewohnt waren für mich die starken Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des Hauses. So konnte ich nachts nicht aus meinem Zimmer, ohne die Alarmanlage zu aktivieren. Fenster und Etagen waren mit Sicherheitsgittern versehen. In einigen Zimmer waren Notrufanlagen eingerichtet. All dies ist eine Folge der hohen Kriminalität.

Vieles aus dem Leben meiner Gastfamilie, welches mir ansonsten schnell vertraut wurde, erinnerte mich an die Schilderungen meiner Schwester von Amerika. Unsere Freizeit verbrachten wir oft im Fitnesscenter, danach kühlte wir uns in unserem Pool ab und gingen in die riesigen Malls, wo sich abends das Leben der Jugendlichen abspielte.  Am Wochenende wurden die warmen und langen Abende mit Braais (Grillen) genutzt und bis spät in die Nacht am Booltable gezockt. In der Woche holten wir uns oft take aways und Videos  und verbrachten gemütliche Wohnzimmerabende, was uns das frühe Aufstehen am Morgen nicht gerade vereinfachte. Doch wir schlüpften immer brav in unsere Schuluniformen und banden unter Gähnen unsere Krawatte. Ich ging zu einer Schule mit hauptsächlich weißen Schülern, der Unterricht war zweisprachig in Afrikaans und Englisch. Die Schule lag in einem Viertel, was nach wie vor von hauptsächlich Weißen bewohnt wird. Doch auch ein paar Schüler anderer Kultur und Religion besuchten die TableViewHigh. Hierdurch entstanden auf Grund ihrer Tradition viele Probleme. Mädchen sollten ihre Haare im Pferdeschwanz zusammengebunden tragen. Eine weiße Schülerin jedoch ließ sich ihre Haare flechten wie es auch eine schwarze Schülerin trug. Sie wurde nach Hause geschickt um sie wieder zu entflechten. Auch durfte ein muslimisches Mädchen kein Kopftuch in der Schule tragen, da es nicht der vorgeschriebenen Schuluniform entsprach. 

Ich denke, es braucht noch eine lange Zeit, bis sich die vielen Kulturen tolerieren und vermischen werden. Mir ist aufgefallen, dass vor allem unter vier Gruppen unterschieden wird: den Schwarzen; den Farbigen; den Weißen: Buren und Südafrikaner. Man erkennt immer noch sofort, in welcher Gegend wer wohnt. Die ärmste Schicht wird von den Schwarzen gebildet, dann die Farbigen, danach Südafrikaner und Buren, und die reichste Schicht wird von Ausländern, wie Amerikanern und Deutschen, gebildet.

Einblicke in die ärmste Schicht hatte ich durch meine Arbeit mit Straßenkindern.  Diese Kinder beeindruckten mich sehr. Sie gehen mit sieben, acht Jahren in kleinen Gruppen aus den Townships auf die Straße und leben dort ohne jegliche Unterstützung. Der Zusammenhalt in der Gruppe ist bewundernswert. Alles wird geteilt, man hört sich zu und nimmt sich auch in den Arm. Wenn man von einer dieser Gruppen akzeptiert wird,  hat man die besten Freunde gefunden. Ich werde diese jüngsten Erwachsenen nie vergessen. Ich hoffe, dass sie eine Zukunft haben.

Das traditionelle Afrika lernte ich bei einem Besuch einer afrikanischen Familie in Burundi (Zentralafrika) kennen. Dort lebten Menschen in Kraalen, von Eigenproduktion, in engen Familienbanden und nach traditionellen Ritualen.

Es war ein Kontrast zu dem Leben der meisten Schwarzen in Südafrika.

Ich  empfand auch Südafrikas, vor allem Kapstadts Natur als besonders schön und interessant: Mit kilometerlangen weißen Stränden, all den Buchten, auf die man von grünen Bergen hinunterschauen kann. Das direkte Nebeneinander von Großstadt und weiter, unendlicher Landschaft ohne Zivilisation ist faszinierend.

Ich könnte noch Stunden weiterschreiben. Ich habe in diesem Jahr so viele Dinge kennen gelernt, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren. Ich habe so viele liebe Menschen getroffen, und erkannt, dass Wohlstand nicht alles auf dieser Welt ist.

Es war ein unvergessliches Jahr, und ich empfehle jedem wenigstens für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen.

 

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