Costa Rica

Ein Jahr in Costa Rica

 

Schon immer hatte ich den Traum gehabt, ein Jahr im Ausland zu verbringen, um eine neue Sprache und überhaupt eine neue Art zu leben kennenzulernen. Anfangs war wie bei vielen die USA das bevorzugte Ziel, aber als ich hörte, dass auch andere Länder (größtenteils Lateinamerikas) zur Auswahl standen, entschied ich mich für Costa Rica. Für viele klingt das wie ein Urlaubsstrand Spaniens, es ist aber ein kleines Land Mittelamerikas.

Nach dem insgesamt 15 Stunden langem Flug kam ich in der Landeshauptstadt an und das erste, was ich tat war mir den Pullover auszuziehen. Die Umstellung von 0° C auf 25° C war doch spürbar.

Von dort aus kam ich mit den anderen Austauschschülern aus aller Welt zunächst in ein Einführungscamp, von wo aus es 2 Tage später in die Gastfamilie ging. Sie wohnte in einem sehr abgelegenen, kleinen Dorf, gehörte dort aber schon zu den Wohlhabenderen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und musste natürlich gleich Spanisch sprechen, weil kein Familienmitglied Englisch konnte. Mit Stottern und Zeichen hab ich mich über den ersten Monat gebracht. Schwierigkeiten bereitete mir auch die Umstellung des ganzen Umfelds und der Gegebenheiten. Das Essen war sehr eintönig. Die Mahlzeiten sahen jeden Tag gleich aus, was heißt viel Reis und Bohnen. Außerdem musste ich mich an die einfacheren, für manche Augen vielleicht sogar abstoßenden Verhältnisse gewöhnen, z.B. gab es überall Insekten.

In der Schule wurde ich zwar sehr freundlich von den Klassenkameraden und Lehrern aufgenommen, jedoch gefiel es mir anfangs nicht. Dies lag zum einen sicherlich an den fehlenden Spanischkenntnissen und an dem Unterricht (von 7 bis 17 Uhr), der sich sehr hinzog. Man schreibt in fast jedem Fach einfach nur das mit, was der Lehrer diktiert. Der Stundenplan ist dabei dem deutschen ähnlich. Aber weil es eine sehr ländliche Region war, in der ich wohnte, hatten wir auch praktische Fächer, was mir sehr gut gefiel. Hauptsächlich die Jungen der ganzen Schule haben eine Finca (Bauernhof) durch Anbau und Ernte von bestimmten Früchten wie z.B. Banane, Ananas und Yuca (Kartoffelart) betrieben. Da es reine Handarbeit war, war es auch noch durch die Hitze (jährlicher Durchschnitt 28° C) anstrengend, aber auch sehr interessant. Nach einigen Wochen hatte ich mich mit Hilfe der Gastfreundlichkeit der Einheimischen schon recht gut eingelebt und Freunde gefunden. Dadurch gefiel mir die Schule immer besser und hinterher ging ich sogar gerne hin. Mit den Freunden konnte ich viel unternehmen, wodurch mein Spanisch sich schnell verbesserte. Da ich auch fünf Gastgeschwister hatte und die Menschen sowieso etwas lebhafter sind, wurde dies noch verstärkt.

Meine Gastfamilie war sehr liberal und offen eingestellt, was typisch für die Bevölkerung ist. Oft haben wir uns zu acht ins doch zu kleine Auto gequetscht und sie haben mir die schönsten Ecken Costa Ricas gezeigt. Da das Land an Pazifik und Karibik grenzt, gibt es in erster Linie schöne Strände. Außerdem gibt es Orte, wo noch Minderheiten wie Schwarze oder Indianer wohnen und man noch mal andere Kulturen sieht. Interessant sind natürlich auch die vielen aktiven Vulkane, von denen ich drei kennengelernt habe.

Mit Freunden habe ich die nähere Umgebung meines Ortes besucht. Vom Ort aus gehen einige Erdpisten in die nördlichen Gebiete, wo es nichts als Urwald, Einsamkeit und noch echte Cowboys gibt. Freunde, die dort wohnten, konnte ich besuchen. Man musste aufpassen, dass man nicht von einer der Giftschlangen gebissen wurde oder von einem Krokodil überrascht wurde, wenn man in einem Fluss badete. Hauptverkehrsmittel war dort wegen fehlender Straßen das Pferd und das Hobby vieler Menschen war deshalb Reiten. Spektakel waren immer die Rodeos, bei denen die Reiter Prüfungen machen mussten, und die Stierkämpfe, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Unvergesslich für mich sind auch die Fußballschlachten, wobei keiner ohne blaue Flecken davonkam. Große Popularität hatte Tanzen ("Salsa"), was ich durch die vielen "Bailes" (Tanzveranstaltungen) etwas gelernt habe. Vorwiegend wahrscheinlich wegen des Wetters spielte sich das Leben auf der Straße ab. Man saß häufig einfach nur auf dem Bordstein und unterhielt sich. Zumal sich in dem Ort jeder kannte, gab es immer Gesprächspartner.

Jetzt, wo ich wieder zurück bin, kann ich sagen, dass es das Beste war, was ich jemals gemacht habe. Ich habe gelernt, mit den Menschen dort zu kommunizieren und umzugehen, und hatte vor allem eine Menge Spaß. Per E-Mail und Briefen werde ich nun mit meinen Freunden in Verbindung bleiben.

  

Sven Lerche, Jgst. 11

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