2009/2010 Irland

Von wegen ein halbes Jahr Schäfchen zählen
Meine einmalige Zeit auf der grünen Insel

Ein Land mit mehr Schafen als Einwohnern, ein Land voller alter Burgen, grünen Wiesen, hohen Steilklippen, gastfreundlichen Einwohnern, die 50% ihres Lebens im Pub verbringen, ein Land voller alter Sagen und Legenden. Das klingt doch ganz sympathisch! Das muss man doch mal ein halbes Jahr live miterleben, dachte ich mir.
So hieß es im August 2009 ?Auf Wiedersehen Deutschland und Hallo neues idyllisches Leben mit ganz vielen neuen wolligen Nachbarn im Mitten des Nichts?
Zumindest dachte ich das noch, als ich im ganz typisch irischen Aerlingus-Flieger vom Festland auf die Insel flog.

Auf einem irischen Weidenzaun

An der Küste


Jedoch musste ich mich, als ich dann vom Flughafen in mein neues Heimatdorf Carrigaline, das eine halbe Autostunde von Irlands zweitgrößter Stadt Cork entfernt liegt, doch fragen, ob ich in den richtigen Flieger gestiegen war, denn überall waren nur Häuser, Menschen und keine Schafe weit und breit!
Meine rothaarige Gastmutter und meine vier sommersprossigen Gastgeschwister, die im Auto neben mir saßen und in einem für mich zu dem Zeitpunkt noch gnadenlos unverständlichen Cork-Akzent auf mich einredeten, machten allerdings irgendwie einen ganz irischen Eindruck. So dachte ich mir ?Einfach mal abwarten, was noch so kommt.?

Mit meiner Gastfamilie kurz vor Weihnachten

Meine Gastmutter und ich


So wurde ich in den Tagen darauf umso mehr verblüfft. Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Neben der großen, vor Leben pulsierenden Industriestadt Cork fand man in den umliegenden Dörfern, die meist direkt am Meer lagen, das Leben, das man von Irland erwartet: Hohe Steilklippen, mit langen Stränden, Palmen, alten Landhäusern und weiten Wiesen.
Ein einmaliges halbes Jahr hatte somit begonnen.

Im Nachbardorf Cobh,
dem letzten Hafen der Titanic

Das Meer


Ein Highlight folgte auf nächste. Besonders Halloween, ein Fest, das in Irland seinen Ursprung hat, mein Besuch in Dublin mit einigen Freunden, Weihnachten und Silvester waren dabei einmalige Erlebnisse für mich.
Viele Freitagabende verbrachte ich mit meiner Gastfamilie und ihren Freunden im Pub mit irischer Livemusik, ging viele Abende mit meinen Freunden ans Meer, um irische Würstchen zu grillen, auf den Klippen zu sitzen und Musik zu hören und erkundete mit meiner neuen Clique die alten Gässchen von Cork.

Unsere Haustür und unser Vorgarten an Halloween

Im Nachbarort Crosshaven

Vor dem Guinness Store House in Dublin


Unter der Woche ging ich auf die katholische Mädchenschule St. Aloysius in Cork.
Dort wurde mir schnell klar, dass man das irische Schulsystem so gar nicht mit dem deutschen vergleichen kann. Es gab keine Aufteilung in drei Schulformen, es wurden Schuluniformen getragen und der Unterricht dauerte von 8:45 bis 16:00 Uhr.
Allgemein ging es sehr viel strenger zu. Wegen jeder Kleinigkeit wurde einem mit Nachsitzen gedroht, so zum Beispiel auch, wenn man statt der vorgeschriebenen grauen Socken rote Socken trug. Der Unterricht bestand zum größten Teil aus Frontalunterricht, in dem der Lehrer vor der schlafenden Abschlussklasse stand und einem erzählte, was man bis zum nächsten Tag auswendig lernen musste.

In unserer Schuluniform

Vor einem von Irlands tollen Wasserfällen


Nachdem ich meine Halbjahresabschlussprüfungen geschrieben hatte, hieß es im Januar leider schon wieder Abschied nehmen: Abschied von tollen neu gewonnenen Freunden, einer einmaligen Gastfamilie, einer einzigartigen Kultur und der wohl most easy-going Lebenseinstellung, die man auf dieser Welt finden kann. Aber zum Glück hieß es auch wieder Hallo zum deutschen Schulsystem sagen, das ich, wie ich wirklich zugeben muss, in dem halben Jahr zu schätzen gelernt habe.
By the way: Schafe habe ich bis zum Schluss NICHT entdeckt!

Der nahegelegenen Strand

Mein neuer Freund aus Dublin

Text, Fotos: Clarissa Humberg
Gestaltung: Jonas Oberkirch