2007/2008 Neuseeland

Sechs Monate am anderen Ende der Welt
Ein halbes Jahr in Neuseeland


Neuseeland: Zwei große Inseln am anderen Ende der Welt, ca. 18.000 km von Deutschland entfernt, in den Amtssprachen New Zealand oder Aotearoa ("Land der langen weißen Wolke", berühmt für seine 45 Millionen Schafe, die All Blacks (die Rugby-Nationalmannschaft), Kiwis (als Tier, Frucht und Mensch) und als Mittelerde.

Aber Neuseeland ist längst nicht nur dies, wie ich während meines ganzen Aufenthalts erleben konnte.

Da ich schon immer sehr viel über Neuseeland gelesen hatte und ich gerne selbst dorthin gehen wollte, habe ich mich, sobald mir der Vorschlag, in der 11 ins Ausland zu gehen, gemacht wurde, bei einigen Organisationen über die Möglichkeit eines Schuljahres in Neuseeland erkundigt. Hinzu kam, dass man mir auch angeboten hatte, die 11 zu überspringen, was für mich jedoch nicht infrage kam.
Nach einigen Gesprächen und Informationsveranstaltungen habe ich mich schließlich für die Organisation Eurovacances (Sitz in Hamburg, nächster Repräsentant in Münster) entschieden. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, wie viele Formulare ich, meine Eltern und natürlich auch die Lehrer (hauptsächlich Herr Himmelmann) noch auszufüllen hatten, bevor es im letzten Juli endlich nach Neuseeland, an das andere der Welt, losgehen konnte.
Vorher gab es noch zwei Treffen mit anderen Schülern, die mit Eurovacances ins Ausland gehen, einmal regional (Münster), einmal deutschlandweit (Kassel). Dort hatten wir auch die Möglichkeit, mit Ehemaligen zu sprechen, die zum Teil erst einige Monate vorher wiedergekommen waren.


Das Meer, fünf Minuten von meinem Haus

Meine neue Heimatstadt: Auckland


In Neuseeland angekommen, wurde ich, da es noch früh morgens war, nicht von meiner Gastfamilie, sondern vom Sandra, dem Homestay Supervisor der Schule, am Flughafen abgeholt, die mich dann zu meiner Familie brachte.
Meine Gastfamilie wohnte in Auckland, mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern größte Stadt Neuseelands. Auckland liegt im Norden der Nordinsel und ist durch seine günstige Lage sowohl an der Tasman Sea im Westen als auch am Pazifik im Osten das Wirtschaftszentrum des Landes.
Meine Gastfamilie war sehr nett. Ich hatte drei Gastgeschwister, von denen die beiden ältesten schon nicht mehr zu Hause leben. Mein anderer Gastbruder ist auf dieselbe Schule und auch in Year 12 gegangen.
Meine Gasteltern haben mit mir viele Sachen unternommen, z.B. sind wir angeln gegangen, besuchten die beiden größten Museen Aucklands, waren wandern, Schafe füttern (ohne Schafe wäre Neuseeland ja schließlich nicht Neuseeland! (45 Mio. Schafe bei 4 Mio. Einwohnern)) und haben auch vieles andere gemacht. 
Ein Höhepunkt meines Aufenthalts war das Wochenende, an dem ich Skilaufen war, auch wenn der Winter (in Neuseeland natürlich Juni-August) so warm war, dass auf den unteren Hängen des Mount Ruapehus, eines noch aktiven Vulkanes, nur Kunstschnee lag.

Der Mount Ruapehu Beim Skifahren


Auch die Landschaft und Natur unterscheiden sich sehr von dem, was ich von Deutschland gewohnt war: Neuseeland ist ein Land der Gegensätze: Es gibt Strände mit Palmen und schneebedeckte Berge, große Wälder und weite offene Ebenen.
Mitten in Auckland gibt es Wälder, denen man in keiner Weise ansieht, dass man sich in einer Großstadt befindet. Es gibt Farne, deren Blätter bis zu fünf Metern lang werden, überall Palmen,... Viele Eindrücke der neuseeländischen Natur konnte ich auch beim „Bushwalking“ mit meiner Gastfamilie bekommen.

Neuseeland hat eine ganz andere Kultur als Deutschland, die meisten Neuseeländer sind freundlich, gastfreundlich und offen gegenüber Fremden. Daher war es für mich einfach, Leute kennen zu lernen und mit ihnen Sachen zu unternehmen.
Die Familie ist in Neuseeland sehr wichtig. Obwohl meine beiden älteren Gastgeschwister nicht mehr zu Hause lebten, waren sie trotzdem oft bei meiner Gastfamilie zu Besuch und es gab öfters Barbeques mit meiner ganzen Familie.

Einblick in die neuseeländische Natur

Tölpel am Murawai Beach


In Neuseeland kann man sich im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern die Schule aussuchen, wodurch ich bei der Wahl meine Interessen berücksichtigen konnte. 
Ich entschied mich für das Lynfield College in Auckland, da es ein erstklassiges Science Department und eine große Fächerauswahl hat (z.B. gab es auch Fächer wie Drama, Carpentry oder Chinese). Auch gibt es verschiedene School Bands, in denen ich mitgespielt und über die ich auch viele Leute kennen gelernt habe. Am Ende des Schuljahres haben wir auch mit allen Bands eine CD aufgenommen.
Das Lynfield College besuchen ca. 1500 Schüler von Jgst. 9 – 13, weshalb es für neuseeländische Verhältnisse relativ groß ist.
Ich wurde am ersten Tag, nach einigen Tests, in Year 12 (wie auch die meisten anderen Deutschen) eingestuft.
Nachdem die Schuluniform gekauft war, ging für mich der Unterricht mit einigen Unterschieden los: In Year 12 hat jeder Neuseeländer nur sechs Fächer, die er größtenteils frei (abhängig von Berufswunsch) wählen kann; nur Mathe und Englisch waren Pflichtfächer.
Meine Fächer waren neben Maths und English noch Spanish, Physics, Drama und ITD (Informatik). Der Schultag beginnt um 8:45 und geht normalerweise bis 15:10. Es gibt eine 20-minütige Pause am Vormittag und die 50-minütige Lunchtime. Außerschulische Aktivitäten finden vor der ersten Stunde, während der Lunchtime oder nach der letzten Stunde statt.
Viele meiner Lehrer waren nicht besonders streng, weshalb während des Unterrichts oft eine rege Kommunikation unter den Schülern herrschte.
Auch der Unterrichtsstoff unterschied sich teilweise von Deutschland, in Drama z.B. spielten wir unter anderem Stücke von Shakespeare (natürlich auf Englisch!).

Die Aula des Lynfield College

Der Schulleiter, Mr. Bovaird


Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Nach einem viel zu kurzen halben Jahr musste ich schon wieder nach Deutschland zurück. Der Abschied von meiner Gastfamilie und meinen Freunden dort fiel mir besonders schwer.

Ich weiß aber schon, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt in Neuseeland war.

 

Meine Gastfamilie: Mein Gastvater John,
meine Gastgeschwister Tania und Chris
und meine Gastmutter Karen


Zum Abschluss noch die Nationalhymne Neuseelands:
 
E Ihoā Atua,
O ngā Iwi! Mātourā,;
Āta whaka rongona;
Me aroha noa.
Kia hua ko te pai;
Kia tau tō atawhai;
Manaakitia mai
Aotearoa. 

God of nations at Thy feet,
In the bonds of love we meet,
Hear our voices, we entreat,
God defend our free land.
Guard Pacific's triple star,
From the shafts of strife and war,
Make her praises heard afar,
God defend New Zealand.


Weitere Impressionen gibt es in der Bildergalerie


Text, Fotos und Gestaltung: Jonas Oberkirch