2007/2008 Houston

Mein Auslandshalbjahr in Houston
Ein Treffpunk der verschiedensten Kulturen

Houston – mit 2 Millionen Einwohnern ist Houston die viertgrößte Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie liegt im Süden von Texas. Der Golf von Mexiko ist nur eine Stunde entfernt und die Stadt ist berühmt für das NASA Space Center, welches seinen Sitz nahe der Millionenstadt hat, und die vielen anderen internationalen Firmen, die sich dort niedergelassen haben. 

Das klang für mich schon aufregend, aber auch ein wenig einschüchternd, nachdem ich erfahren hatte, dass ich meinen 5-monatigen Auslandsaufenthalt dort verbringen werde.
Einschüchternd zum Einen, da ich aus einer eher kleinen Gemeinde komme und ich meine Zweifel hatte, dass ich es überhaupt in einer Großstadt aushalten würde;
aufregend zum Anderen, da ich erwartete sehr viel zu erleben in solch einer großen Stadt, und ich freute mich darauf, die amerikanische Kultur kennen zu lernen. Denn schließlich war das einer meiner Beweggründe ins Ausland zu gehen:
Ich war und bin sehr interessiert daran, Menschen und deren Lebensweise kennen zu lernen.

Die Skyline von Houston

Das bin ich in einer kleinen Jazz-Bar


Ich hatte gehört, dass die Erfahrung schon vor dem eigentlichen Aufenthalt anfängt, und das stimmte auch.
Nachdem ich mich entschieden hatte ins Ausland zu gehen, musste ich mich nur noch für eine Organisation entscheiden. Meine Wahl fiel auf MAP (Munich Academic Program). Nach dem Ausfüllen etlicher Formulare, einiger Treffen mit der Organisation und einem Besuch in der amerikanischen Botschaft in Frankfurt ging meine Reise dann auch endlich los.
Mit schwummerigen Magen verließ ich meine Familie in Hannover und machte mich auf den Weg nach Amerika – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Ein Blick aus dem Flugzeug

Meine Gastfamilie: Ahmad und Michelle Zaid


Am Flughafen wurde ich dann von meiner Gastfamilie in Empfang genommen. Meine Gasteltern waren beide sehr jung und hatten keine Kinder. Michelle, meine Gastmutter, war eine 28 jährige Amerikanerin, die schon einiges in ihrem Leben erlebt hatte und jetzt wieder zur Schule ging, um einen Abschluss in Reisen und Tourismus nachzuholen. An manchen Tagen half sie in dem Ambulanzservice ihres Mannes. 
Ahmad war auch 28, in Syrien geboren und kam erst vor ca. 6 Jahren nach Amerika. Seine Staatsbürgerschaft hat er noch nicht erhalten.
Sein Cousin und er haben einen Ambulanzservice aufgebaut und er verbrachte den größten Teil seiner Tage in seinem Büro.
So war ich oft alleine, aber es gab ja noch die zwei Katzen, Tigger und Matrix, die manchmal ziemlich nervig sein konnten, aber auch gute Spielkameraden waren, wenn mir mal langweilig wurde.
Wenn meine Gasteltern dann sonntags beide Zeit hatten, gingen wir zum Wasserpark „Schlitterbahn“ in Galveston oder unternahmen andere Dinge.

Wir wohnten nicht ganz im Kern von Houston in einer kleinen Nachbarschaft. Das Haus war mit 6  Räumen klein, aber gemütlich.

Die Nachbarschaft und unser Haus (rechts)

Meine Schule, die Alief Hastings High School...


Nach einer Woche Eingewöhnungszeit stand dann auch mein erster Schultag an der Hastings High School bevor.
Die Schule war gerade mal 2 Blocks entfernt, sodass ich zur Schule laufen konnte, was am Morgen auch noch relativ erträglich war, aber am Nachmittag wurde es öfters über 100°Fahrenheit, d.h. 40°Celsius heiß.
Hastings ist eine sehr große Schule im Vergleich zum Gymnasium Schloß Neuhaus. Um die 3000 Schüler wurden dort unterrichtet, und das sind nur die Klassen 9 bis 12.
Ich war in der Klasse 11 und meine Fächer waren Englisch, Töpfern (was mir sehr viel Spaß gemacht hat), Webmastering, Physik, US Geschichte, PreCalculus (eine Mathematik Klasse) und Französisch.
Nachdem ich mich einigermaßen auf dem riesigen Campus orientiert hatte und ich ohne große Mühe meine Klassenräume wieder finden konnte (Was nur ein bis zwei Tage gedauert hatte, da ich jeden Tag die gleiche Reihenfolge der Stunden hatte), dauerte es auch nicht lange, bis ich eine erste Freundschaft geschlossen hatte.
An meiner Schule waren die Lehrer nicht besonders streng, dafür aber sehr nett. Sie waren sehr hilfsbereit mir gegenüber. Die Schüler allerdings folgten dem Unterricht meist sehr unaufmerksam, wodurch sie nicht sehr viel lernten und die Tests ziemlich einfach ausfielen.

...und hier die typischen gelben Schulbusse

Meine Freunde und ich auf dem Homecoming-Dance


Ein Highlight während meines Aufenthaltes war der Besuch in Miami an Weihnachten. Wir besuchten die Mutter von Michelle (meine Gastmutter). Es war schon ein seltsames Gefühl am 25.12. mit T-Shirt und kurzer Hose bei 26°Celsius am Strand zu stehen. Zusammen mit den Palmen fühlte man sich wirklich wie im Urlaub in der Karibik!
Das Weihnachtsessen fand bei einer befreundeten Familie statt. Diese Familie stammt aus Kuba, deshalb gab es kubanisches Essen, was sehr gut geschmeckt hat.

Die Skyline von Miami

Weihnachtsdekoration unter Palmen


Aber nicht nur in Miami habe ich Essen aus verschiedenen Ländern kennen gelernt. Bei mir in meiner Gastfamilie gab es hauptsächlich Essen aus Syrien und bei meiner besten Freundin Ana Essen aus Honduras. 
Nicht nur im Essen haben sich die verschiedenen Kulturen, mit denen ich umgeben war, gezeigt. 
Während Ramadan (dem Fastenmonat im Islam) habe ich durch meinen Gastvater hautnah kennen gelernt, was es für die Muslime bedeutet zu fasten: Sie essen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang rein gar nichts! Am Ende dieses Monats wird 3 bis 4 Tage lange ausgelassen gefeiert und wir wurden eingeladen zu Ahmads Familie und wurden sehr herzlich und warm aufgenommen. 
Die spanische Kultur, die sich in all den Kulturen aus Honduras, Kuba und Mexiko widerspiegelt, ist gleichzeitig sehr offen aber auch sehr streng. Offen und herzlich gegenüber Fremden (vor allem mir gegenüber), aber streng in Traditionen und Familienzusammenhalt. Ich hatte die Möglichkeit mit Ana New Year's zu feiern, und das hat mir gezeigt, dass sie und ihre Familie auch gerne tanzen und feiern - trotz der Strenge. Mir hat besonders der Brauch gefallen, 12 Trauben um 12 zu essen und bei jeder Traube darf man sich etwas wünschen. Ich denke, das werde ich beibehalten.

Das "Abenteuer Amerika" war und ist für mich eine ganz wichtige Lebenserfahrung. Ich bin froh, dass ich den Schritt gewagt und jetzt viele neue Freunde in Amerika (darunter auch einige Deutsche) gewonnen  habe. Nur das „typisch Amerikanische“ habe ich irgendwie nie kennen gelernt. Vielleicht existiert dieses ja  auch nur in meiner Vorstellung.


Weitere Eindrücke gibt es in der Bildergalerie.

Text und Fotos: Nadine Wiethoff
Gestaltung: Jonas Oberkirch