2006/2007 USA

Meine 3 Monate in den USA

Es war schon immer mein Traum, einmal in die USA zu reisen und dort das Leben bei einer Gastfamilie kennen zu lernen. Als die konkrete Entscheidung anstand, standen für mich viele Länder zur Auswahl. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mich immer am meisten beeindruckt, sodass ich glücklich war, dort meinen Auslandsaufenthalt verbringen zu können.

Als ich die lang andauernden Vorbereitungen - Aufnahmetest, Vorbereitungsseminar und jede Menge Formulare -  hinter mich gebracht hatte, hob Ende August endlich der Flieger in Richtung USA ab. Meine Gastfamilie Guelzow hatte ich bereits über E-Mails und einen Anruf kennen gelernt. Sie bestand aus meiner Gastmutter Jodi, meinem Gastvater David und ihren 3 Kindern Jakob (12) Dylan und Joshua (beide 8). Sie leben in Minnesota, dem 32. Staat der USA, der am nördlichsten Rand der Staaten liegt, von Alaska abgesehen. Minnesota wird auch Land der 10000 Seen genannt, da es außerordentlich viele Seen gibt. Ich wohnte in einem Vorort von Minneapolis (3 Mio. Einwohner), welche mit St. Paul (4 Mio. Einwohner) eine Zwillingsstadt bildet wobei sie durch den Mississippi getrennt werden. Zusammen werden sie „Twin Citys“ genannt. Mein kleiner Ort hieß Circle Pines und war ein typischer Großstadtvorort. Mein Haus lag in einem Wohngebiet nahe der Centennial High School, was infolge der zentralen Lage den Kontakt zu meinen Klassenkameraden erleichterte. Die Schule war der wichtigste soziale Knotenpunkt während meiner ganzen Zeit in den USA.

Natürlich gewann ich durch meine Familie viele neue Freunde und Bekannte, doch vor allem die Schule war ein idealer Ort um Kontakte zu knüpfen. Da ich immer überall freundlich empfangen worden bin, hatte ich von Anfang an kein Problem auf die Leute dort zuzugehen.. Wenn man jemanden nach dem Weg fragte, kamen sofort fünf hilfsbereite Mädchen angelaufen, die mich mit Vergnügen durch die ganze Schule führten und es aufregend fanden einen Schüler zu begleiten, der vom anderen Ende der Welt kommt.

Diese Neugierde ging sogar so weit, dass man mich fragte, ob Russland in Deutschland liege, ob wir Mikrowellen und Autos haben und ob Berlin ein eigener Staat wäre. Dies liegt einfach daran, dass man in den USA schon sehr früh in der Schule seine eigenen Fächer wählen kann und somit sich nicht für den Rest der Welt interessieren muss, sondern sein Wissen auf anderen Bereichen ausbauen kann. Insgesamt war ich sehr von dem amerikanischen Schulsystem in meinem Bezirk überrascht, da es sehr objektiv angelegt ist. Die mündliche Mitarbeit wird in einer Strichliste vermerkt und kann am Ende den Prozentsatz der Note verbessern. Die Hausaufgaben werden grundsätzlich eingesammelt und mit Punkten bewertet. Am Ende kommt also eine objektiv errechnete Zensur heraus, bei der man jeden Schritt der Notengebung nachverfolgen kann. Ich täglich den gleichen Stundenplan mit 4 Fächern à 85 Minuten. Die Schule war sehr groß mit etwa 3500 Schülern. Der Lunch wurde so in 4 Lunchzeiten und 2 Mensas aufgeteilt.

Am Anfang fiel es mir ein wenig schwer, dem Unterricht zu folgen, weil ich mit dem amerikanischen Englisch zunächst nicht zurecht kam. Doch schnell merkte ich, wie sich mein Wortschatz und mein Verständnis verbesserte.

Schulbeginn war jeden Morgen um 8.25 Uhr und planmäßig hörte sie um 15 Uhr auf. Da ich mich zudem noch am Fußballtraining teilnahm, kam ich erst um ca. 18 Uhr nach Hause.

Dort erwarteten mich dann schon meine kleinen spielhungrigen Gastbrüder. Sie akzeptierten mich sofort als ihren Bruder, wobei die anfänglichen Sprachschwierigkeiten für sie überhaupt kein Problem waren. Ich glaube, dass ich immer ihr geheimes Vorbild während meiner Zeit dort war, und deshalb bemühte ich mich auch stets darum ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Ein großer und wichtiger Teil meines Lebens dort war auch die Farm meiner Gastgroßeltern: Dort wohnten auch gleichaltrige Kinder, und es war immer viel los, da sich mehrere Familien dort trafen. Die Farm lag in Wisconsin, einem Nachbarstaat von Minnesota, und war 1,5 Autostunden entfernt. Das Grundstück der Farm betrug etwa um die 30 km² und war größtenteils mit Wald bewachsen, in welchem der Opa regelmäßig jagte. Ein großes Highlight war das Quad auf der Farm, das locker 100 km/h schaffte und als wichtiges Gefährt im Wald gebraucht wurde. Erste ungewohnte Erfahrungen mit Waffen habe ich so auf der Farm beim Jagen und freizeitlichen Schießen sammeln können.

Als es dann nach 3 Monaten schon hieß Abschied zu nehmen, war ich schockiert, wie schnell die Zeit vergangen war. Ich hatte mich nach einem Monat so gut eingelebt, sodass die Zeit wirklich wie im Fluge vergangen war.

Insgesamt war mein Aufenthalt in den Staaten eine sehr eindrucksvolle, wichtige, hilfreiche und unersetzliche Erfahrung für mein Leben, welcher mir außerdem noch viel Spaß bereitet hat. Ich bin sehr froh, dass mir meine Eltern, meine Organisation und vor allem meine Gastfamilie ein solches Erlebnis ermöglichen konnten! Ich glaube, dass ich in diesen Monaten viel erwachsener und selbstständiger geworden bin , nicht zuletzt dadurch, dass ich eine ganz andere, ganz unterschiedliche Kultur kennen gelernt habe. Den Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen neu gefundenen Freunden möchte ich so lange es eben geht aufrecht erhalten, und ich möchte mich auch immer an diese drei tollen Monate erinnern.

Bildergalerie

Fotos und Text: Karsten Wode
Gestaltung: Tobias Klamt


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