2006/2007 Nebraska

Nebraska - Das Ende der Welt?!

 

Durch die Schule und von Bekannten und Freunden hat man immer wieder gehört, dass ein Auslandsaufenthalt einem unvergleichbare Erfahrungen bringen würde. Nach vielen Informationsveranstaltungen verschiedener Organisationen fasste ich dann den Entschluss, für 10 Monate in die USA zu gehen. Obwohl ich mich schon recht früh beworben hatte, wartete ich sehr lange auf mein zukünftiges (neues) Zuhause. Dann allerdings entwickelte sich das Ganze zu einem Nervenspiel. Meine Organisation hatte zweimal meinen Abflug in unterschiedliche Bundesstaaten verschoben, und schließlich saß ich erst Anfang September im Flieger nach Nebraska, was ich erst drei Tage vorher erfahren hatte. Ich sollte die erste Zeit bei einer "Willkommensfamilie" wohnen, da sich noch keine Gastfamilie für mich gemeldet hatte. Etwas entmutigend war auch, dass Nebraska ein sehr ländlicher Bundesstaat ist, wo etwa 2 Millionen Menschen zwei Drittel der Fläche Deutschlands bewohnen. Dementsprechend hatte die Schule auch nur knapp 200 Schüler, vom Kindergarten bis zur 12. Klasse. Allerdings war das alles ein nicht lange haltbares Vorurteil, das sich hinterher auch als falsch herausstellte.

 

Denn: Die Menschen sind in Nebraska absolut freundlich und sind immer auf mich zugegangen. Zudem ist auch eine kleine Schule nicht unbedingt negativ. Jeder kennt dort jeden, und ich als "Neuer" stand am Anfang im Mittelpunkt des (weiblichen) Interesses und habe mich zunächst ganz schön schwer mit den ungewohnten Namen angestellt.


Während des Fluges war die Anspannung natürlich groß, dennoch hat alles gut geklappt. Meine Kontaktperson hat mich schließlich zu meiner temporären Familie gebracht, wo ich sofort sehr gut aufgenommen wurde.


Schon am nächsten Tag ging es in die Schule. Ich konnte (relativ) frei meine Fächer wählen und fand mich dann in meiner ersten Unterrichtsstunde wieder, umringt von neugierigen Amerikanern, die mich über alles Mögliche ausgefragt haben. Dennoch war von dem Enthusiasmus schon am nächsten Tag nicht mehr viel zu spüren, denn Amerikaner sind halt in ihren Freundschaften recht oberflächlich. Doch bald fand ich Kontakte, allein schon dadurch, dass noch zwei weitere deutsche Austauschschüler auf meine Schule gingen.

Die nächste Überraschung erreichte mich etwa eine Woche nach meiner Ankunft. Ich durfte zu meiner endgültigen Gastfamilie umziehen, die direkt im Ort der Schule gewohnt hat. Meine Gastmutter (23) und mein Gastvater (27) waren sehr nett zu mir und haben mich gleich in ihre Familie aufgenommen. Auch die Eifersucht meines kleinen Gastbruders, der drei Jahre alt war, legte sich bald, denn er akzeptierte mich schnell als großen Bruder. Da meine Familie sehr jung war, war unser Verhältnis sehr freundschaftlich. Ich konnte mit ihnen über alle Probleme, die immer mal wieder auftraten, gut reden, und sie waren immer sehr hilfsbereit zu mir.



Während der Woche hatte ich kaum Freizeit, denn die Schule in den USA ist Dreh- und Angelpunkt eines Schülers. Ich habe Basketball im Winter und Leichtathletik im Sommer gemacht, weshalb neben dem Training, das immer nach Schulschluss um 15.30 Uhr bis um 18 bis 19 Uhr ging, noch Spiele bzw. Wettkämpfe stattfanden. Aber genau das ist auch das amerikanische Schulsystem. Der "school-spirit" zeigt sich besonders darin, dass bei den Sportveranstaltungen immer eine begeisternde Stimmung herrscht und eine Schule dadurch ihren Ruf bekommt. Der schulische Teil spielt eher eine untergeordnete Rolle. So kommt es vor, dass Amerikaner über Deutschland weniger wissen und zum Teil Fragen stellen, ob wir auch schon Autos oder Computer hätten.


Zum Abschluss hat meine (deutsche) Familie mich für vier Tage besucht. So konnten sich beide Seiten noch einmal kennen lernen, bevor ich dann Abschied genommen habe, der mir nicht sehr leicht gefallen ist. Aufgemuntert wurde ich aber dadurch, dass ich mit meiner Familie noch für vier Wochen eine Rundreise durch den Westen der USA unternommen haben und ich somit noch einen anderen Teil dieses extrem kontrastreichen Landes gesehen habe.


Bildergalerie


Fotos, Text und Gestaltung: David Wulf


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