2006/2007 Maryland

3 Monate Abenteuer in Maryland

Von vielen Bekannten und Freunden hatte ich gehört, wenn einem jemals die Chance zu einem Auslandsaufenthalt gegeben wird, dass man auf keinen Fall zögern sollte, diese - wie sie sagten - unvergleichliche Erfahrung zu machen. Nachdem ich mich bei verschiedenen Organisationen informiert hatte, entschloss ich mich kurzerhand, für 3 Monate in die USA zu fliegen. Allerdings passierte nach meiner Anmeldung im Oktober 2005 und nach einem darauf folgenden Vorstellungsgespräch in Hannover lange nichts. Alle anderen Austauschschüler waren schon seit Wochen on tour und ich saß immer noch in Deutschland fest, ohne irgendwelche Informationen über meine Gastfamilie bekommen zu haben. Schließlich klingelte dann doch eines Tages das Telefon, und meine Organisation teilte mir mit, dass sie eine Gastfamilie und auch eine Schule für mich gefunden hatten. So konnte ich sechs Tage später, nach zwei kurzen Mails mit meinem zukünftigen Gastvater, endlich ins Flugzeug steigen.

Als ich das Flugzeug verließ, wusste ich wirklich nicht, wer und was mich erwartete. Die Informationen der Organisation waren recht spärlich und so musste ich in Washington, meinem Zielflughafen, nach einer unbekannten Person Ausschau halten, die ein Schild mit meinem Namen hochhalten würde. Diese habe ich dann auch schnell gefunden. Schon beim ersten Kontakt wusste ich, dass ich es echt gut getroffen haben sollte. Mein Gastvater war ein 33-jähriger alleinstehender Mann. Er war Polsterer von Beruf und Baseballtrainer an der örtlichen öffentlichen Highschool. Da die Organisation solange nichts für mich finden konnte, hatten die öffentlichen Highschool bereits Aufnahmeschluss und ich durfte/musste eine Private Highschool besuchen.

Am fünften Tag war dann auch schon mein erster Schultag. Ich durfte meine Fächer wählen, was bei drei Monaten nach den eigenen Vorstellungen durchgeführt werden konnte (offiziell hatte ich den Status eines Gasthörer). Und schon wurde ich in die erste Stunde gesetzt, ohne irgendjemanden zu kennen und ohne viel zu verstehen, das amerikanische Englisch ist eben mit dem Schulenglisch in deutschen Schulen nicht zu vergleichen. Doch wurde ich schnell von sehr vielen Schülern in ihre Gemeinschaft aufgenommen, deren Gastfreundschaft - sicherlich war auch ein bisschen Neugierde dabei - mir sehr geholfen hat. Im Laufe der Zeit merkte ich dann, wer ein wirklicher Freund war, da viele Amerikaner in ihren freundschaftlichen Beziehungen doch eher oberflächlich bleiben. Neben dem alltäglichen Unterricht, der bis 15 Uhr dauerte, habe ich mich auch im Schwimmteam engagiert, um nicht nur fit zu bleiben, sondern auch weitere soziale Kontakte zu knüpfen.

Mein Leben mit meinem Gastvater war sehr angenehm. Dadurch, dass er auch noch relativ jung war, betrachtete ich ihn als eine Mischung aus Vater und Freund, und so kam es abends schon mal vor, dass wir uns im Tischtennisspielen und Armdrücken gemessen haben. Die anfänglichen Befürchtungen, es könnte mit einem alleinstehenden Mann vielleicht etwas langweilig sein, haben sich schnell in Luft aufgelöst, da seine Eltern und sein nur 7 Jahre jüngerer Stiefsohn samt Frau und Kind nur ca. 10 Auto-Minuten entfernt wohnten und wir sie fast täglich gesehen haben. Außerdem haben wir vieles unternommen, wie zum Beispiel Stadtbesichtigungen von New York, Washington, Baltimore und den Besuch eines Eishockeyspiels in Washington.

In der Woche beanspruchte mich das Schulleben voll und ganz. Nach dem täglichen Schwimmtraining, bei dem schon mal 3,5 km geschwommen wurden, war ich ca. um 17:30 Uhr zu Hause und musste noch Hausaufgaben machen, was ich aber meistens auf das Wichtigste reduziert habe J. Des Weiteren gab es Sportveranstaltungen der Schule, Theateraufführungen etc.

Nachdem ich mir am Anfang noch nicht so sicher war, ob es wirklich eine gute Entscheidung war, hatte ich mich nach etwa zwei Monaten richtig eingelebt und die restlichen 4 Wochen vergingen leider viel zu schnell.

Zum Schluss durfte ich Thanksgiving und Weihnachten mitfeiern, welche zwei der Höhepunkte des amerikanischen Jahres darstellen. Leider starb zwei Tage vor Weihnachten der Großvater meines Gastvaters, nachdem wir ihn gerade aus dem Krankenhaus geholt hatten, und so war die Stimmung am großen Fest  eher etwas gedrückt. Dennoch hatten wir, hatte ich ein sehr schönes Weihnachtsfest. Mit vielen Eindrücken, doppelt so viel Gepäck und 5 Kilo mehr auf der Waage musste ich 2 Tage später leider Abschied nehmen.

Bildergalerie

Text und Fotos: Tobias Klamt
Gestaltung: Tobias Klamt