2004/2005 New Mexico

New Mexico, the middle of nowhere?

Schon seitdem ich mich erinnern kann, wollte ich für ein Jahr ins Ausland. Und es stand auch schon immer fest, dass ich in die USA gehen werde. Nach einigen Informationsabenden und Überlegungen habe ich mich dann Anfang der 10 endgültig dafür entschieden, 10 Monate in Amerika zu verbringen.

Am 19. August 2005 ging es dann ganz alleine los. Paderborn – Frankfurt – Dallas – Albuquerque – Silver City, New Mexico. Nach einigen Schwierigkeiten und einer Nacht in Albuquerque bin ich am 20. endlich angekommen.

Es wird immer gesagt: Hab keine Erwartungen, sonst wirst du nur enttäuscht. Aber natürlich hatte ich, wie alle, Erwartungen, träumte von Bergen, in denen ich jeden Tag skifahren konnte, oder von endlosen Sandstränden. Eine große Stadt, in der immer was los ist. Aber es kommt, wie es kommen muss...
Sonntags kam die erste Shopping Erfahrung. Meine Gastmutter fragte mich: „Hey, do you wanna go shopping today?“ Klar, dachte ich, mal eben in die Stadt fahren, ein bisschen die Einkaufsstraße rauf und runter laufen. Von wegen, als wir im Truck saßen erfuhr ich dann, dass wir erst einmal zwei Stunden fahren mussten, bis wir zur nächsten Shopping-Mall kamen. Ganz anders als in Deutschland, aber auch total aufregend. 
...soviel zu dem, was ich mir unter Silver City vorgestellt hatte. Es war ein Ort mit ca. 30 000 Einwohnern, irgendwo und nirgendwo. Es gab nur Walmart und ein paar kleinere Einkaufsläden. Und dennoch wurde ich nicht enttäuscht, denn es kommt immer drauf an, was man daraus macht. 

Natürlich ist das Interesse an einem Austauschschüler erst mal sehr groß; jeder kennt einen, man wird von allen Seiten angesprochen, ohne auch nur irgendwen davon zu erkennen. Die Amerikaner sind offen und gehen oft auf einen zu. Man muss sich aber auch selbst aufraffen und auf die Menschen zugehen. Auf keinen Fall sollte man sich zurückziehen, denn von nichts kommt nichts. Bei anderen Austauschschülern ist das an meiner Schule nicht so gut gelaufen.
Richtige Freunde habe ich auch relativ schnell gefunden. Durch die Klassen und den Sport lernt man sofort viele Leute kennen und hat auch genug Zeit sich länger mit ihnen zu unterhalten. Da das Mündliche nicht zählt, wird im Unterricht öfter mal das gemacht, was man möchte, z.B. Musik gehört, gelesen, Hausaufgaben gemacht und sich unterhalten. 

Während des Matheunterrichts :-)

So einfach war die Schule jedoch auch nicht, da man die Hausaufgaben immer abgeben musste und jede Woche ein Test geschrieben wurde. Mit Schleimen oder sonstigen gut-zureden-Versuchen hatte man also keine Chance, da alles genau in Prozenten ausgerechnet wurde. Allerdings war das meistens nicht auf zu hohem Niveau. Man konnte sich das Leben sehr einfach machen, da man auch Babysitten, Sport, teacher’s aid, Theater, usw. wählen konnte, in denen man schon 100% bekam, wenn man nur erschien und sich nicht total daneben benahm. Es gab aber auch Fächer für die Intelligenteren. Fast alle Fächer konnte man „advanced“ belegen, in denen dann alles schneller und auf höherem Niveau durchgezogen wurde.
In der Schule hatte ich zwar am Anfang viele Probleme wegen der Sprache, doch dank der Lehrer und Mitschüler, die mir wirklich sehr entgegen kamen und mir immer geholfen haben, hatte ich doch nur A’s und ein B auf all meinen report cards.

In den USA ist der School Spirit ganz anders als in Deutschland. Vorher hatte ich zwar schon davon gehört, aber mir das doch nicht so vorgestellt, wie es dann war. Immer wieder waren Veranstaltungen während der Pause oder auch während des Unterrichts. Die Footballmannschaft und auch alle anderen Sportteams wurden total von der ganzen Schule unterstützt. Es wurden Plakate gemalt, Rennen gemacht, oder es gab auch mal Tage an denen man als Zwilling auftrat, im Hawaiin Stil oder mit Papphüten in die Schule ging. Es gab immer wieder Aktionen, die das Schulleben amüsant und interessant machten. In Deutschland ist das undenkbar, doch wirklich alle halten zu dem High School Team und hierdurch werden Schüler zusammengeschweißt.

die Rechte ist meine Computers Lehrerin Mrs. Larisch an „twinsday“

Man hört es immer wieder, in Amerika sind Lehrer und Schüler eher Freunde als alles andere. Dies kann ich bestätigen. Meine Computers (Informatik) Lehrerin hat mich zum Beispiel schon vor den Herbstferien zu sich nach Hause eingeladen. Auch am Wochenende, wenn man mal nichts zu tun hatte, sind wir zu Mrs. Larisch gefahren und haben uns in ihren Hottub (Whirlpool) gesetzt. 
Der Direktor an der Silver High School war auch ganz anders, als ich es von einem Direktor gewohnt war. Als ich das erste Mal in sein Büro trat, hatte ich schon viel von Mr. Graham gehört; ein Direktor, der sehr sozial ist, aber meistens auch ziemlich hart durchgreift. Doch plötzlich hatte ich einen echten „redneck“ vor mir stehen. Auch wenn man es ihm in der Schule nicht auf den ersten Blick ansieht, ist er ein richtiger Cowboy. Ja, so etwas gibt es noch wirklich in „the south west“. Sogar einige Schüler pflegen zu Hause die Schweine, weil man damit richtig viel Geld gewinnen kann. Mr. Graham war für mich nicht nur der Direktor oder Lehrer, sondern auch ein richtiger Freund. Ohne ihn hätte ich vieles nicht geschafft und es wäre nur halb so lustig gewesen! Mit meiner Computers Lehrerin und meinem Direktor habe ich auch immer noch viel Kontakt. Allerdings wird die Schule meistens mit dem Privatleben getrennt, d.h. obwohl wir uns super verstanden, musste ich genauso viel, wenn nicht sogar mehr, leisten als alle anderen.

Meine Gastfamilie war perfekt für mich! Mit meiner Gastschwester Patty (17) musste ich mir ein Zimmer teilen, was zusammengeschweißt, aber natürlich auch mal zu Streitereien geführt hat (was aber nur selten vorkam). Auch mit meinem Gastbruder Jim (18) habe ich mich super verstanden. Meine Gasteltern, Chris und Jim, und mein Gastbruder haben mich auch sofort als richtiges Familienmitglied aufgenommen, nur für meine Gastschwester war es am Anfang etwas schwerer nicht mehr die einzige Tochter zu sein. Das hat sich aber nach einer Weile auch eingependelt und die Beziehung zwischen uns wurde immer besser.
Ansonsten gab es eigentlich überhaupt keine Probleme mit meiner Gastfamilie. Es war ein richtiges Familienleben. Wir haben uns super verstanden und sie haben mir viel gezeigt. Auch wenn ich hier zu Hause bin, weiß ich, dass ich immer eine zweite Familie dort drüben habe, zu denen ich immer gehen kann.

Natürlich sind wir erst mal typisch amerikanisch campen gefahren, was auch eine tolle Erfahrung war. 

mit meiner Gastfamilie und ein paar Freunden beim campen

Außerdem wurde mir auch die Möglichkeit geboten Las Vegas und Kalifornien bestaunen zu dürfen, was unglaublich war. Ich kannte alles nur aus dem Fernsehen, hatte Erwartungen, die mal gar nicht erfüllt und mal übertroffen wurden. Aber Amerika besteht nicht nur aus den großen, bekannten Städten, sondern auch aus viel, sehr viel, Landschaft und unendlichen Weiten. Davor hatte ich auch Angst bevor ich nach New Mexico geflogen bin. Eigentlich hatte ich vor allem Angst; dem Flug, der Schule, meiner Gastfamilie, ganz alleine zu sein. Aber die Angst verflog genauso schnell, wie sie vor dem Abflug gekommen war. Schneller als man sich versieht, ist vieles einfach normal geworden und gehört zu dem neuen Leben dazu. Obwohl ich etwas anderes erwartet habe, war das ganze Jahr das Beste, was mir passieren konnte. 
Man lernt nicht nur Neues kennen und schätzen, wächst mit der Herausforderung und lebt ein ganz anderes Leben, sondern man lernt auch viel über sich selbst und was man in Deutschland hinterlassen hat. Man vermisst die kleinsten Dinge, die man vorher für selbstverständlich hielt. Alle die ins Ausland gehen, machen andere Erfahrungen, gute oder schlechte, aber jeder einzelne wird von diesem Jahr geprägt. Über mich kann ich sagen, dass ich keinen einzigen Tag von den zehn Monaten missen möchte und ich kann nur jedem empfehlen die Angst zu überwinden und den großen Schritt in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu machen. Jeder einzelne Staat hat seine eigenen Sehenswürdigkeiten, andere Sitten und bietet die Möglichkeit in eine andere Welt einzutauchen und sie lieben zu lernen.

Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben, da in einem anderen Land einfach alles neu und aufregend ist und es das beste war, was mir passieren konnte. Doch ich hoffe, dass ich euch hiermit ein bisschen bei eurer Entscheidung weiterhelfen konnte.
Wenn ihr noch irgendwelche Fragen habt, dann schreibt mir einfach an: CarolineRuhe@hotmail.com.


Fotogalerie

Fotos und Text: Caroline Ruhe
Gestaltung:
Julia Reinsch