2004/2005 Cornwalls

4 Monate im Herzen Cornwalls

Als ich am 04.09.2004 in mein Flugzeug am Düsseldorfer Flughafen stieg, war schon alles etwas aufregend: Jetzt musste ich mich ganz allein auf meiner Reise zurechtfinden, da ich meinen Aufenthalt in England privat über eine Bekannte geplant hatte und mich somit nicht an die Betreuer einer Organisation wenden konnte. Trotzdem hatte ich keine Angst vor dem mir relativ unbekannten Land, sondern freute mich wirklich auf die bevorstehende neue Umgebung, die Menschen und das andere Leben.


Als schließlich in London Heathrow nach einiger Verspätung auch mein sehr überfüllter Bus ankam, rückte mein neues Zuhause immer näher. Und je mehr wir uns Cornwall näherten, desto leerer wurde der Bus und desto grüner die Landschaft, in die ich wohl so vertieft war, dass ich ganz verpasst hatte, an meinem Zielort Bodmin auszusteigen. Der mitleidige Busfahrer hatte offensichtlich gemerkt, wo meine Reise enden sollte.

An der Haltestelle holte mich dann direkt meine neue Gastmama ab, die mir sofort sympathisch war. Von meinem neuen Heim war ich gleich überwältigt: ein riesiges, älteres Haus, eingerichtet in dem typisch englischen, sehr gemütlichen und etwas kitschigen Stil mit einem noch riesigeren Garten. Das Haus liegt auf einem recht steilen Hügel, und davon gibt es so einige.

Bodmin ist ein sehr bergiger, süßer, kleiner Ort. Um von dort ins nächste Kino zu kommen, musste man schon einmal eine halbe Stunde mit dem Bus in eins der umliegenden Städtchen fahren. Trotzdem hat man in Bodmin alles, was man so zum Leben braucht, und so finden sich schnell bevorzugte Aufenthaltsorte und Alltagsrituale wie der tägliche 40-Minuten-Gang zur Schule oder der wöchentliche Club-Besuch. Wegen der überschaubaren Größe des Orts trifft man auch, egal wo man hingeht, Freunde oder Bekannte aus der Schule.

Fast alle Menschen, die ich während meines Aufenthaltes traf und kennen lernte, waren äußerst offen und freundlich, obwohl es natürlich überall auch mal ein paar von Vorurteilen eingenommene Leute gab.

Sprachlich hatte ich natürlich anfangs noch das ein oder andere Kommunikationsproblem, und manchmal musste man einfach ein bisschen mitlächeln, auch wenn man den Witz nicht so ganz verstanden hatte. Aber ziemlich schnell konnte ich mich ins Englische und auch in die starke Umgangssprache einhören und diese auch sprechen.

Die Schule in England hat mir besonders gut gefallen. Da es Pflichtfächer in der Oberstufe überhaupt nicht gab, konnte man sich aus dem breiten Angebot der Fächer seinen ganz persönlichen Stundenplan zusammenstellen. Auch die Lehrer waren sehr freundlich, zuvorkommend und interessiert und unterstützten mich in allem, was ich vorhatte. Zusätzlich erwies sich die Ausstattung der Schule, z.B. in den Kunst- und Technikräumen, als besonders gut.

Tower Bridge

London Westminster

In den Herbstferien verbrachte ich mit 2 Freundinnen eine Woche in London, wo es mir super gefallen hat und wir jede Menge Spaß hatten.

Leider war meine familiäre Situation in Bodmin nicht immer einfach, und nachdem meine Gastmutter einige Woche nicht mehr zu Hause geschlafen hatte, stellte sich heraus, dass meine Gasteltern vorhatten, sich scheiden zu lassen. Da mein Gastvater ein sehr dominanter und launischer Mann ist, der seine Kinder Jamie (10) und Jenna (15) abgöttisch liebte, war es oft schwierig, mit ihm als einzigem Elternteil zusammenzuleben, zumal er seine persönliche Belastung schon einmal in ungerechtfertigter Weise an mir ausließ. Da war es schon angenehmer, wenn meine Gastmutter einmal wieder für einen Monat einzog. Mit ihr verstand ich mich immer sehr gut, auch wenn die einzelnen Elternteile immer wieder versuchten, mich von dem schlechten Charakter des anderen zu überzeugen.

Doch auch durch diese mir bis dahin völlig fremden Erfahrungen habe ich etwas gelernt.

Ich habe während meiner 4 Monate in Cornwall sehr viel erlebt und gesehen, viele tolle Menschen kennen gelernt und hatte eine super Zeit, die ich niemals vergessen werde.


Bildergalerie

Text und Fotos: Maria Hunstig
Gestaltung: Jessica Mayer