2004/2005 Australien

A dream comes true – 4 months „Down Under”



26.August 2004 – Frankfurt – 23.45 Uhr

Ich sitze im Flugzeug und bekomme richtig Panik. Fast 2 Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet, doch plötzlich bekomme ich Zweifel. Der Abschied von meinen Freunden und meiner Familie ist mir sehr schwer gefallen. War die Entscheidung wirklich richtig nach Australien zu gehen? Wie würde es wohl werden? Würde ich mit der Familie klar kommen und schnell Freunde finden? Bekomme ich Probleme mit der Sprache? Und vor allem fragte ich mich, wie ist das Leben da am anderen Ende der Welt wohl ist? Ich habe vorher zahlreiche Bücher über Australien gewälzt, aber eigentlich wusste ich nichts.

 

Viele Fragen schossen mir durch den Kopf... doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese Sorgen alle unbegründet waren. Nach dem langen und ermüdenden aber ebenso aufregenden Flug (Frankfurt – Singapur – Sydney – Ballina) war ich endlich da! Meine Gasteltern haben mich am Flughafen abgeholt und wir sind nach Hause gefahren. Auf der Autofahrt nach Lismore, wo wir wohnten, ist mir klar geworden, dass es wirklich total anders ist, als ich mir vorgestellt habe. Erstens war es total heiß, obwohl es doch eigentlich Winter dort war, und die Landschaft war ziemlich hügelig... von wegen endloses Outback!!!

Meine Gasteltern haben ein großes gemütliches Haus mit einem tollen Ausblick auf Lismore und einen riesigen Pool. Außerdem gab es dort noch einen Hund, eine Katze und einen Vogel. Meine Gastschwester Marion studiert an der Gold Coast und kam immer nur am Wochenende nach Hause.

Ich habe mich vom ersten Moment an total wohl gefühlt. Das lag wohl daran, dass mich meine Gastfamilie so lieb aufgenommen hat. Sie haben  mir von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich dazu gehöre und haben mich überall mitgenommen. Ich konnte immer mit ihnen reden, wenn ich Probleme hatte, und mich auf sie verlassen. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich woanders wie zu Hause fühlen kann – aber es geht!

 



meine Gastfamilie!

 meine Gastschwester Marion und ich

Mit Marion, meiner Gastschwester habe ich mich sehr gut verstanden. Sie war für mich wie eine gute Freundin und Schwester. Als sie Semesterferien hatte, war sie öfters zu Hause und wir haben einiges unternommen. Mit ihr konnte ich über wirklich alles reden und wir haben viel Unsinn miteinander gemacht!!!
Meine Gastfamilie hat mir wirklich sehr viel gezeigt. Fast jedes Wochenende haben wir Ausflüge unternommen. So waren wir für ein Wochenende an der Sunshine Coast und in dem Australia Zoo (der Australia Zoo ist durch den Crocodile Hunter berühmt geworden), ich habe Brisbane gesehen und die Gold Coast. Außerdem waren wir am „Bolt Rock“, haben eine tolle Bootstour gemacht, waren in einem Tierpark oder wir haben den Tag an einem der vielen wunderschönen Stränden den Tag verbracht!

Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich vor meinem ersten Schultag war! Doch auch das war unbegründet... . Ich wurde sofort aufgenommen. Alle kamen auf mich zu, haben sich vorgestellt... . Schon nach 2 Stunden Schule hatte ich meine Pläne fürs nächste Wochenende geschmiedet!!!

Auch die Lehrer waren alle sehr nett und haben mir in Ruhe alles erklärt! Vor allem meine Home room- und Englischlehrerin Mrs White war unheimlich nett!

Das australische Schulsystem unterscheidet sich erheblich von dem deutschen. Zum einen natürlich die Schuluniform – am Anfang war ich wirklich gar nicht begeistert! Doch man gewöhnt sich schnell daran, und mittlerweile bin ich sogar für die Schuluniform. Wenn jeder das gleiche anhat, gibt es viel weniger Vorurteile und keinen „Kleidungsstress“ am Morgen.

 

Die Schule beginnt morgens um 8.45 Uhr und endet um 15.25 Uhr. Jeder Tag ist gleich. Es gibt 6 Schulstunden, die je 50 Minuten dauern. Zwischendurch gibt es eine kleine Pause (25 Minuten) und eine Lunchpause (50 Minuten). Jeden Donnerstag ist Sporttag. Das heißt, dass in den letzten beiden Stunden Sport war. Jeder Schüler hatte die Möglichkeit sich eine Sportart auszusuchen, wie z.B. Cricket, Football, Swimming, Dancing oder auch Watching Videos (richtig: auch Video gucken zählt als Sport!!!!).



meine Schule


An meiner Schule gibt es das Kurssystem, doch jeder Schüler ist auch in einem bestimmten „Home room“. Der Home room und die Home room-lehrerin treffen sich jeden Morgen für eine Viertel Stunde. Der Home room ist eine Art Klasse mit Klassenlehrerin. Hier werden alle klasseninternen Probleme geregelt. Jeden Dienstag findet außerdem morgens eine Jahrgangsstufenversammlung statt, wo zusammen gebetet und über aktuelle Nachrichten gesprochen wird. Ansonsten hat mich die Schule sehr an unsere Grundschule erinnert. Die Schultaschen werden zum Beispiel alle vor den Kursräumen deponiert, und wenn die Home room-lehrerin durchzählt, ob alle Schüler da sind, müssen sich alle in Zweierreihen auf den Boden setzen!!!

 

Doch ich bin nicht nur zur Schule gegangen... . Ich habe in Australien ein 2-wöchiges Praktikum in einer Tierklinik gemacht. Dort habe ich tolle Eindrücke gewonnen. So war ich zum Beispiel mitten in der Nacht bei der Geburt eines Kalbes auf einer Weide dabei. Außerdem waren in der Tierklinik unter anderem auch exotische Tiere wie Koalas und Papageien!

In den Ferien bin ich für drei Wochen nach Sydney geflogen und habe dort bei einer sehr netten Familie gewohnt. Gemeinsam mit ihnen habe ich viele Ausflüge nach Sydney und in die Umgebung gemacht. Sydney Harbour mit dem berühmten Opernhaus und der Harbour Bridge waren ein tolles Erlebnis – endlich einmal „live“ zu sehen, was man sonst nur auf Bildern sieht! Außerdem war ich in Canberra, Australiens Hauptstadt, und in den Blue Mountains!!!

das berühmte Opernhaus in Sydney

Die 4 Monate in Australien sind leider viel zu schnell vergangen! Mir fiel der Abschied von meiner Gastfamilie und von meinen Freunden in Australien sehr schwer! Doch meine Gastmama hat mir beim Abschied am Flughafen gesagt, dass ich nicht traurig sein soll, dass es vorüber ist, sondern glücklich, dass ich es erlebt habe! Und ich denke, sie hat recht!

Doch als ich in Australien ins Flugzeug gestiegen bin, war das große Abenteuer noch nicht ganz vorbei... . Auf meinem Nachhauseflug habe ich noch meinen Cousin Martin für 5 Tage in Singapur besucht. Er wohnt dort mit 3 Australiern in einer WG und schreibt gerade seine Doktorarbeit. Ich habe ihn vorher noch nie gesehen und war schon ein bisschen aufgeregt... . Doch er ist wie alle Australier total locker, nett.... und hat unheimlich viel Humor!!! Die Löwenstadt Singapur ist eine aufregende und beeindruckende Stadt und komplett anders als die Städte, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe! Ich war fasziniert von den Wolkenkratzern und dann wiederum von den vielen buddhistischen und hinduistischen Tempeln. Natürlich hat mich auch die Shoppingmetropole Singapur mit den unzähligen Shoppingcentern in den Bann gezogen. Aber auch der angeblich schönste Zoo der Welt war ein Erlebnis. Auf einer „Night Safari“ durch den Zoo ist man den Tieren so nah wie nie!!!

18. Dezember 2004 – im Flugzeug von Singapur nach Frankfurt – 22.45 Uhr:

Alle mein Ängste und Sorgen, die ich auf dem Hinflug nach Australien hatte, waren völlig unbegründet. Meine 4 Monate waren noch viel besser, als ich je gedacht habe!

Der Aufenthalt in Singapur war der krönende Abschluss! Ich hatte wirklich eine unvergessliche Zeit!!! Ich habe tolle Freunde gefunden und so viele liebe Leute kennen gelernt! Die Erinnerung kann mir keiner nehmen, und ich denke, ich werde den einen oder anderen bestimmt noch einmal wiedersehen! Australien ist mein absolutes Traumland! Es hat mir so gut gefallen und ich weiß, dass ich so schnell wie möglich wieder zurück will! Die Leute sind alle „locker“, unkompliziert und unheimlich herzlich! Die Landschaft ist so unterschiedlich und beeindruckend – in dieses Land kann man sich einfach nur verlieben! Diese 4 Monate haben mir sehr viel gebracht, ich habe viel gesehen, bin offener und selbstbewusster geworden... .

 

Deshalb kann ich euch nur sagen: Traut euch! Geht ins Ausland! Mit der richtigen Einstellung wird es eine tolle und unvergessliche Zeit!!!


Bildergalerie

Text, Fotos: Cosima Römer
Gestaltung: Michelle Niestrath, Cosima Römer