2004/2005 Argentinien

Zwei Monate in Argentinien
- ein Erfahrungsbericht -

 Argentinien – das Land der Gauchos, des Tangos, der Kriminalität – so dachte ich vor etwas mehr als einem Jahr, als ich in das Flugzeug stieg, das mich nach Buenos Aires bringen sollte. Dort wollte ich zwei Monate bei der Familie meiner Gastschwester verbringen, die mich im Winter 2003/2004 für drei Monate hier besucht hatte.

Nun, nach diesen zwei Monaten sollte sich diese Sichtweise ziemlich geändert haben! Nachdem die ersten Sprach- und Heimwehschwierigkeiten überwunden waren, genoss ich die Zeit in diesem unbekannten Land in vollen Zügen – bei Streifzügen durch Buenos Aires, Parties bis in den Morgen hinein, Urlaub an den Wasserfällen von Iguaçu, um nur einige Beispiele zu nennen. Am Ende dieser zwei Monate wollte ich gar nicht mehr weg von den Freunden, die ich dort gefunden hatte, von der offenen, herzlichen Mentalität der Bevölkerung und von der voller Leben pulsierenden Stadt. Meine Sichtweise des Aufenthaltes dort hatte sich also schon während dieser zwei Monate grundlegend verändert. Wie würde sie also erst nach einem Jahr aussehen?

Diese Frage kann man am Besten in drei Teile aufsplitten: „Was geht?“, „Was bleibt?“, „Was kommt?“

 

 Die „Casa Rosada“, das Regierungsgebäude Argentiniens

 

Zum ersten Teil lässt sich feststellen, dass sich die Euphorie, die ich nach den zwei Monaten in Buenos Aires in Bezug auf das Land und die Leute gespürt habe, gelegt hat. In die Begeisterung über die Freundlichkeit, Herzlichkeit und das Engagement der Menschen mischt sich auch die Erkenntnis, dass Freundschaften, die in nur zwei Monaten geschlossen wurden, sich über eine solche Distanz schwer aufrechterhalten lassen. Ich habe zwar immer noch regelmäßigen Kontakt mit meiner Gastfamilie, doch werden die Intervalle zwischen den Telefongesprächen und Emails immer größer. Auch die Sprachkenntnisse, die ich in Argentinien erworben habe, insbesondere das Vokabular, verabschieden sich allmählich durch den wenigen Gebrauch der Sprache. Neben dieser offensichtlichen Konsequenz sehe ich also nach einem Jahr den Aufenthalt in Buenos Aires nicht mehr so „verklärt“, sondern rationaler.

Die positiven Erlebnisse und die Erinnerungen daran bleiben jedoch bestehen, das muss ich ganz klar sagen. Die Leidenschaft für die spanische Sprache, die durch den Auslandsaufenthalt in mir geweckt wurde, hat sich nicht vermindert und ebenso wenig das Interesse und die Begeisterung für die kulturellen Unterschiede zwischen Argentinien und Deutschland.

Die Wasserfälle von Iguaçu

Die total verschiedene Mentalität und Lebenseinstellung, die in Argentinien viel positiver und lebensfroher ist, beeindruckt mich immer noch so, dass ich versuche, das, was ich damals von dieser Einstellung mitnehmen konnte, heute im Umgang mit anderen Menschen umzusetzen. Der kritische Blick, der durch die Distanz entsteht, überwiegt also keinesfalls gegenüber den positiven und beeindruckenden Erlebnissen.

Was kam nach dem Auslandsaufenthalt in Buenos Aires war die Frage, wie ich diesen für mein späteres Leben nutzen kann. Durch die Begeisterung für Spanisch und Argentinien, die allein schon durch diese zwei Monate geweckt wurde, wurde mir relativ schnell klar, dass ich diese Sprache in mein Studium einbinden möchte. Dies hat sich bis jetzt sogar schon so weit konkretisiert, dass ich nach meinem Abitur nächstes Jahr ein Auslandspraktikum in Buenos Aires absolvieren möchte, bevor ich mein Studium der internationalen BWL beginne – einerseits, um meine Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen, andererseits, um noch mehr von diesem faszinierenden Land und seiner Kultur kennen zu lernen.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich diesen Auslandsaufenthalt und das Land Argentinien mit einem Jahr Distanz zwar kritischer sehe, aber trotzdem sehr viel von dem, was ich damals gelernt habe, für mein Leben nutze und nutzen werde. Auch im Rückblick ist meiner Meinung nach ein Auslandsaufenthalt – in welchem Land auch immer – also auf jeden Fall lohnenswert und bereichernd!

 

Vor unserer Abschiedsparty


Text und Bilder: Hanna Lisa Haferkamp