2003/2004 Argentinien

Argentinien - mehr als nur Tango, Mate und Evita!

Freitag,15.8.2003, Flughafen Paderborn: Jetzt sollte es also losgehen! Drei Monate Buenos Aires, die 12-Millionen-Stadt statt des 2500-Einwohner starken Dörfchens Sennelager! Mit einer Menge Vorfreude, Angst und natürlich der Lust, etwas Neues zu erleben, stand ich nun da am Flughafen und sollte „Tschüss“ sagen.

Downtown (Buenos Aires)


Samstag, 16.8.2003, Flughafen Buenos Aires: Nach ca.14 Stunden Flugzeit und 21 Stunden gesamter Reisezeit kam ich endlich völlig erschöpft, aber aufgeregt in Buenos Aires, einer der „Megastädte“ in Südamerika, an! Am Flughafen wartete schon meine Gastfamilie, die mich sofort superlieb aufnahm. Ich merkte jedoch schon am Flughafen, wie wenig ich doch eigentlich Spanisch sprechen konnte. Die ersten Tage antwortete ich meist nur mit „si“ oder „no“. Nach jedoch (nur) drei Wochen verstand ich fast alles und konnte auch schon an einem Gespräch teilnehmen, ohne nach einiger Zeit zu denken: Hey, die reden doch über etwas ganz anderes, als ich noch bis vor zwei Minuten dachte.

Meine Gastfamilie war die beste, die es wohl in ganz Argentinien gibt. Dank ihr habe ich eine unglaubliche Zeit in einem unglaublichen Land erlebt. Ich hatte das Glück, viel reisen zu können, und konnte so den Facettenreichtum des Landes kennen lernen! So besichtigte ich u.a. die weltberühmten Wasserfälle von Iguaçu im Norden des Landes und die Region Cordoba, in die vor dem ersten Weltkrieg viele deutsche Familien emigrierten. Auch heute noch wird hier z.B. das "Münchner Oktoberfest" gefeiert!!

Rinder (Steaks!) auf der Pampa


Weil meine Gastfamilie eher zu den Wohlhabenden gehört und der Lebensstandard der gleiche wie hier ist, schockierte es mich dann um so mehr, als ich nachts ganze Familien betteln oder Pappe und Kartons zusammensuchen sah. Auch die sogenannten „villas“ (Ghettos ohne Strom und Wasser; Häuser zumeist aus Stofffetzen und Metallplatten) zeigten mir die Armut der Menschen deutlich. Die Kriminalität ist dementsprechend hoch und Überfälle gehören schon zur Tagesordnung: Ich werde wohl so schnell nicht vergessen, dass ich selbst  Zeuge bei einem Überfall war.

In Argentinien besuchte ich die gleiche Schule wie meine Gastschwestern. So fiel es mir leicht, mich schnell einzuleben und Freunde zu finden. Da es eine Privatschule war, hatte man mehr Unterricht als normalerweise üblich. Die Schule fing morgens um acht Uhr an und dauerte bis zwanzig nach vier. Wegen der einstündigen Mittagspause empfand ich die Schulzeit jedoch nie als zu lang. Mir fiel aber sofort auf, dass die Schüler eine andere Vorstellung von Respekt haben als wir hier. Die meisten Schüler hörten einfach nicht hin, wenn der Lehrer etwas sagte. Anweisungen wurden grundsätzlich erst einmal boykottiert. Auch Musik hören, auf die Toilette gehen, essen und trinken während der Unterrichtszeit waren genauso üblich wie sich einfach mal eine Auszeit in der Bibliothek zu nehmen. Das sorgte natürlich alles in allem immer für „action und fun“. Erstaunlicherweise war aber das Niveau der „Pestalozzi-Schule“ trotzdem sehr gut.  

Das Land und seine Bräuche muss man einfach nur lieben. Die Leute sind sehr nett und offen und nehmen Fremde sofort freundlich auf. Allerdings kam es mir am Anfang schon etwas komisch vor, wenn man sich auch nur unter flüchtigen Bekannten zur Begrüßung auf die Wange küsste oder wenn man  einfach mit fremden Leute an der Straßenecke  Mate (Nationalgetränk) zusammen aus einem Becher und einem Strohhalm trank. Das spiegelt aber auch gleichzeitig die Unkompliziertheit und Lebenslust wieder, die die Leute einfach im Blut haben und ausleben. Die Argentinier feiern und sehen das, was positiv ist, und nicht das, was negativ ist, obwohl es dem Land wirtschaftlich gesehen sehr schlecht geht. Der Umgangston ist freundlicher und bewusster als bei uns. Man merkt dies nicht nur unter Freunden und in der Familie, sondern auch auf der Straße. Die Portenos (Einwohner von Buenos Aires) gehen zwar irgendwie immer gestresst oder gehetzt durch die Stadt, sind aber trotzdem immer darauf bedacht zu lächeln.

 

Los Torrones (Cordoba)


Samstag, 16.11.2003, Buenos Aires, wieder am Flughafen: Nun stand ich also da mit meiner Gastfamilie, einigen Freunden und verweinten Augen. Mittlerweile redete ich genauso viel wie die anderen und wollte eigentlich gar nicht mehr weg! Der Abschied von meiner zweiten Familie und meinen neuen Freunden fiel mir mindestens genauso schwer wie 3 Monate zuvor in Deutschland.

Nach drei Monaten Argentinien war für mich die wichtigste Erfahrung die Offenheit, Freundlichkeit und Gastfreundschaft  der Menschen dieses Landes kennen zu lernen - und das trotz der vielen Probleme im Land. Diese südamerikanische Lebensart könnten wir Deutschen uns manchmal auch auf die Fahnen schreiben!

Für mich war mein Aufenthalt in Argentinien ein Traum und ich kann nur jedem raten, auch für einige Zeit ins Ausland zugehen.  

 

PERO, don´t cry for me Argentina - ich komme wieder! 


                                 Landschaft bei Cordoba

Fotos und Text: Julia Förster, Jgst.11
Überarbeitung und Gestaltung: Angela Mürköster

 
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