2001/2002 Südengland

Mein Aufenthalt in Südengland (Sept. - Dez. 2001)

Das Fach Englisch hat mir schon meine ganze Schulzeit hindurch Spaß gemacht. Daher war ich auch sofort von der Idee begeistert, ein paar Monate in England zu verbringen und dort in die Schule m gehen, als mir ein Prospekt über Auslandsaufenthalte in die Hände fiel. Da ich die Möglichkeit hatte, bei einer flüchtigen Bekannten, Sarah, unterzukommen, entschied ich mich - u.a. auch aus finanziellen Gründen - gegen eine Organisation. So lebte ich in Dursley, einem Ort zwischen Gloucester und Bristol im Südwesten der Insel.

Das stellte sich als eine sehr gute Lösung heraus und war natürlich auch der Hauptgrund, dass ich mit meiner Zeit in England so zufrieden bin. Sarah (39 J.) und ich kamen gut miteinander aus und unternahmen jedes Wochenende und oft nach der Schule noch etwas gemeinsam. Wir wanderten in der wunderschönen, typisch englischen Umgebung und auch einmal in Wales, machten Kurzurlaub in Cornwall, nahmen am Training eines Seenotrettungsvereins teil, machten mit bei "living history"- Veranstaltungen der Tudor- und Indianerzeit, fuhren viel Fahrrad - trotz fehlender Fahrradwege und der gefährlichen Fahrweise einiger Engländer - und gingen oft im Wald und auf den Wiesen laufen, trafen Weihnachtsvorbereitungen, d.h. Stechpalme sammeln, hundert ( ! ) Weihnachtskarten schreiben und Plumpudding essen. Es war wirklich sehr interessant!


Auch von meiner dortigen Schule war ich sehr positiv überrascht. Das Aussehen und der Zustand der Gebäude war zwar relativ schlecht, es war eine staatliche Schule; dafür waren die Lehrer, der Unterricht und die anderen Schüler umso besser.
Das Verhältnis Schüler - Lehrer ist zumindest in der sixth form (Oberstufe) lockerer als hier, es wird viel gelacht oder auch mal über privatere Dinge gesprochen. Allerdings wird im Unterricht auch zielstrebig auf Examen und Projekte hingearbeitet und Lehrer wie Schüler nehmen die Sache geradezu „überernst".
Daher waren die Lehrer gut auf den Unterricht vorbereitet. Die Lehrmethodik war vielfältig, anschaulich und wirkungsvoll, mit Tafel, Folien, Videos, Computern u.a. mehr. Beispielsweise wurde in Biologie/Genetik die Mitose mit Knetgummi-Chromosomen veranschaulicht. In Geographie fuhren wir abends in die Universität Bristol um uns eine Vorlesung für Schüler anzuhören. Das Beste war eine einwöchige Geographie-Exkursion als Kurs von zehn Leuten an die Südküste nach Devon. Dort
machten wir in einem "Fieldstudies Centre" Experimente und wissenschaftliche Arbeiten und konnten uns die Theorie aus dem Unterricht zum Thema „Küste" in natura ansehen.


In Design & Technologie besuchte uns ein Mitarbeiter der Dyson Staubsaugerfirma, um uns über seine Arbeit und Erfahrungen zu berichten und meine Lehrerin plante schon einen Besuch bei Bymacks, einer Möbelfirma, und bei British Airways. Im Deutschunterricht, wo ich der Lehrerin etwas half, wurde sehr viel mit Kassettenrecorder und Kopfhörern gearbeitet, außerdem auch mit (mehr oder weniger aktuellen) deutschen Zeitungsartikeln und anspruchsvollen Lektüren, wie etwa vom Schriftsteller Heinrich Böll.
In fast allen Fächern mussten Berichte oder Facharbeiten auf dem Computer ausgearbeitet werden, was in den Bereich von Key Skills - einem Pflichtfach, in dem man die Anwendung von Computern lernt - hineinreichte.


Im Rahmen von Projekten sollte auch oft das Internet in Anspruch genommen werden. Dazu wurde jedem Schüler die Möglichkeit eines Internetzugangs in der Schulbücherei oder einem der Computerräume geboten.
Zur selbstständigen Nachmittagsarbeit gehörten u.a. projektbezogene Aktivitäten, wie z.B. der Besuch in einem Altenheim oder Interviews, aber auch der "community service", den ich einmal wöchentlich in der örtlichen Grundschule absolvierte.
All dieses, was über den „ganz normalen" Unterricht hinaus ging, war sehr viel interessanter und einprägsamer und brachte mir auch die anderen Schüler näher. Und gelernt habe ich alles in allem auch jede Menge!

Obwohl ich nur einen "term" (vier Monate) in England war, habe ich viel von dem geschafft, was ich wollte: Mein Englisch verbessert - naja, etwas jedenfalls, viele neue Leute kennen gelernt, sehr viel gesehen, meinen Horizont erweitert, zwar oft sehr angestrengt gearbeitet, aber auch viel Schönes erlebt. Nur für Bristol blieb leider keine Zeit mehr - ich muss wohl noch mal hin!


Text:  Anne Schindler
Gestaltung:  Eva Nicolin-Sroka



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