Sara Ivanis

Sara Ivanis ist längst ein bekanntes Gesicht in den Kursräumen und auf dem Pausenhof der Oberstufe am Gymnasium Schloß Neuhaus.

Die 17-jährige Gastschülerin aus der serbischen Hauptstadt Belgrad, die für ein knappes Jahr bei einer Paderborner Familie lebt, ist die erste und bislang einzige Gastschülerin aus dem Land, das vielen Menschen nur über die berühmte und gerühmte serbische Bohnensuppe bekannt ist. Eingeweihte wissen natürlich, dass Serbien aus dem vormals bekannten, in den 90-er Jahren zusammengebrochenen sozialistischen Vielvölkerstaat Jugoslawien hervorgegangen ist und mittlerweile die Mitgliedschaft in der EU anstrebt. Serbien liegt als südosteuropäischer Staat auf dem Balkan und existiert in der heutigen Form seit 2006 als parlamentarische Republik Serbien.

Die Serben sind nicht nur ein gastfreundliches Volk, haben sich zudem in vielen Staaten Europas angesiedelt, sondern gehören zudem einer sehr sportlichen Nation an. Obwohl Serbien „nur“ 8 Millionen Einwohner hat, ist der Balkanstaat in so manchen Sportarten Weltspitze, vor allem im Handball, Wasserball, Fußball, Basketball und Volleyball der Damen und Herren. Und ein Novak ?okovi?, Gewinner der letzten Australian Open, ist im Männer-Tennis die Nr. 1 der Welt.

Für Sara ist die Hauptstadt Belgrad eine „Geile Stadt“. Nahezu tagtäglich Party ohne Ende, ein Jugendschutzgesetz ist eher ein Fremdwort und Pünktlichkeit gilt eher als Untugend.

Sara entstammt einer gutbürgerlichen Familie, geht eigentlich zum Gymnasium Nr. 3 von Belgrad, hat manchmal großes Heimweh und vermisst ihren deutschen Schäferhund sehr.

Sara hat sich über eine Austauschorganisation YFU für Deutschland und mithilfe ihrer Organisation für das Gymnasium Schloß Neuhaus entschieden, weil sie ein dialektfreies Deutsch erlernen bzw. ihr Sprechen und Schreiben in deutscher Sprache verbessern möchte, so dass sie froh ist, in dem beschaulichen Paderborn in der Mitte Deutschlands in einer für die sehr großen Schule gelandet zu sein. „Es sind viele kleine Kinder hier – und viele Fahrräder.“ In Belgrad kennt sie nur die Oberstufe 9-12; und Fahrräder sind nur selten anzutreffen.

Neben vertieften Einblicken in die deutsche Sprache und Alltagskultur will Sara auch prüfen, ob ihre Selbstständigkeit und Durchhaltevermögen ausreichen, um für eine längere Zeit aus dem Elternhaus zu gehen. Außerdem möchte Sara ein qualifiziertes Zeugnis mit nach Belgrad nehmen, um ohne Zeitverzug ihr Abitur zu bauen.

Ein überraschender Zwischenruf Saras: „Der Blick aus den Fenstern des Erdkunderaums in die Natur ist toll.“

Bei ihrem offenen, aufgeschlossenen und freundlichen Wesen wundert es nicht, dass sie viele Freunde unter den Deutschen hat, überall gern gesehener Gast ist. Teamplayerin ist Sara auch beim SC Grün-Weiß Paderborn, bei dem sie höherklassig Volleyball spielt. Viele andere Sportarten, Skilaufen und Klavierspielen (Chopin!) stehen auf der Liste ihrer Freizeitaktivitäten ganz oben.

Bei den Deutschen schätzt Sara die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die kulturelle Vielfalt und – trotz alledem – die Pünktlichkeit, wünscht aber auch mehr Entspanntheit und Gelassenheit.

Mit etwas Bauchgrimmen denkt sie an das Ende ihrer schönen Zeit in Ostwestfalen, freut sich aber auch auf ihr Elternhaus und vor allem ihren Hund.

Und nach dem Abitur will sie studieren, Medizin oder Psychologie oder Politologie – wie ihr älterer Bruder. Und viel reisen, auch wieder nach Deutschland, nach Österreich, in die Schweiz vielleicht oder nach Südamerika.

Deutschland, die Deutschen, die Paderborner und das GSN haben jedenfalls eine neue zugewandte und wohlwollende Freundin gewonnen.