Der Jibi-Kreuzzug

Aus der Zeit, als die Cafeteria noch in den Träumen
so manches Schülers verschwommen umhergeisterte:

Es war einmal in grauer Vorzeit. Die Schüler pilgerten noch in jeder Pause zum Jibi-Markt, um sich dort mit Schokocroissants und Cola zu versorgen. Auch ich nahm diese Strapazen häufig auf mich, manchmal sogar in beiden großen Pausen. Die Gefahren, die auf einen unschuldigen Mittelstufenschüler lauerten, waren fürchterlich. Herr ***, noch voller jugendlichem Tatendrang, patrouillerte regelmäßig den Haupteingang und stürzte sich auf jeden flüchtigen Jibi-Ritter. Nahe der Lippe machte ein anderes legendäres Monster die Gegend unsicher. Der Raucher***. Obwohl dieser eigentlich nur mit seinen Zigaretten beschäftigt war, endete doch so mancher Jibi-Kreuzzug in seinen Fingern und später im Klassenbuch. Hatte ich all diese Gefahren heil überstanden, eilte ich natürlich immer zu spät und meistens ohne Hausaufgaben in den Französisch-Dif.-Kurs bei Frau ***. Dort erwartete mich bereits eine ganz besonders durstige Mitschülerin: ***. *** forderte dann sofort einen Teil meiner Getränkeausbeute und nach harten Kämpfen musste ich oft nachgeben. Es begab sich nun, dass ich, gerade vom Jibi zurückgekehrt, *** Hausaufgabe zum Abschreiben haben wollte, da erwiderte das holde Fräulein: "J., ich gebe Dir nur meine Hausaufgabe, wenn Du mir für alle Ewigkeit einen Teil deiner Getränke versprichst." Wegen meiner großen Klappe und aufgrund meiner tiefen Not sagte ich ja und unterschrieb den verfluchten Zettel. Die Jahre sind vergangen und vieles hat sich verändert. Wir haben jetzt eine Caféteria und die Reisen zum Jibi sind nur noch Legende. *** jedoch hütet meinen Schuldschein wie ihren Augapfel, und wenn ich mit meinen zwei Käsebrötchen und der Cola um die Ecke komme, kann ich sicher sein, dass diese gute Freundin schon auf mich wartet.

© by J.T.

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