Esther Berg in der Anna Amalia Bibliothek

Zu Besuch bei Goethe und Schiller

Praktikum in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar

   

„Nur Bücher? Das ist ja langweilig“ wurde auch mir als erstes gesagt, als ich von meinem doch recht ungewöhnlichen Praktikumsplatz erzählt habe.
Die Anna Amalia Bibliothek, eine der berühmtesten Forschungsbibliotheken der Welt und durch den verheerenden Brand aus dem Jahr 2004 (leider) sehr bekannt geworden, war nun für zwei Wochen mein neuer Arbeitsplatz. Der Schwerpunkt der dort befindlichen Sammlungen sind Goethe- und Schiller-Werke des 18. und 19. Jahrhunderts.
Im Studienzentrum der Bibliothek, das vor allem von Studenten und Professoren gerne besucht wird, war ich in der Medienabteilung tätig. Zusammen mit einer weiteren Praktikantin hatten wir einen genauen Zeitplan, wo wir wann eingesetzt werden, um einen Einblick in die verschiedenen Einzelabteilungen zu bekommen. Wir wurden von zwei FSJlerinnen betreut, die dort ihr freiwilliges soziales Jahr im Bereich Kultur machten.
Besonders auffallend beim Betreten der Bibliothek war der sogenannte „Kubus“, ein riesiger offener Raum über fünf Etagen, in dessen Freihandaufstellung sich ca. 50.000 Bücher zu allen Themen rund um Literatur befinden. Des Weiteren gibt es eine Romanbibliothek unterhalb des Kubus’.
Während dieser zwei Wochen waren wir zum Beispiel unten im Tiefenmagazin (ca. 900.000 Bücher) tätig, wo nur die wertvollsten und ältesten ihrer Art dokumentiert und aufbewahrt werden, und haben Bücher aussortiert und wieder eingeordnet. Aufgrund möglicher Schäden an den Buchrücken mussten wir viele Bücher von Kunstlederverbänden befreien und neu mit Stoffbändern befestigen. Es ist eine sehr aufwendige Arbeit aber notwendig.
An einem anderen Tag arbeiteten wir in der Kunstsammlung, die sich zurzeit noch im Schloss gegenüber dem Studienzentrum befindet. Diese Werke sollen nun im kommenden Frühjahr im Magazin aufbewahrt werden, sodass ein ständiges „Pendeln“ zwischen den Gebäuden entfällt. Daher war hier unsere Aufgabe, Bücher neu zu etikettieren bzw. alte Etiketten abzukratzen, neu einzusortieren usw.
Wir haben Einführungen in das Bibliographieren bekommen und mussten den FSJlerinnen dabei helfen, die neue Bibliographie über den Brand 2004 fertigzustellen. Auch haben wir ein Informationspraktikum im Gebiet Sacherschließung erhalten und hatten sogar das Privileg, den Rokokosaal im zweiten Stockwerk zu besuchen, zu dem die normalen Besucher keinen Zutritt haben.
Am letzten Tag hat uns eine Mitarbeiterin die Karten- und Globensammlung des 15. und 16. Jahrhunderts gezeigt. Insgesamt umfasst diese Sammlung nur ca. 8000 Stück, was im Verhältnis zu anderen Bibliotheken wenig ist. Des Weiteren nahm sie uns mit in den Turm, dessen Spindeltreppe aus einem Holzstamm 1671 errichtet worden ist.
Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, wie viele kleine Abteilungen zusammenspielen müssen, damit so eine Bibliothek „funktioniert“. Es war sehr spannend und hat viel Spaß gemacht dort zu arbeiten, nicht nur weil es eine neue Erfahrung war, sondern auch da die Mitarbeiter uns sehr herzlich in Empfang genommen haben und versucht haben, uns in ihre Arbeit vertrauensvoll einzubeziehen.

   

Einige Impressionen aus Weimar

Goethe und Schiller
Außenansicht
Kubus
Bei der Arbeit
text Halle von oben
   

Text und Fotos: Esther Berg
Gestaltung: Jonas Oberkirch