Jan Schumacher beim Offenen Kanal

Praktikum beim OK in Paderborn

Ich habe mein 2-Wöchiges Praktikum beim Offenen Kanal in Paderborn absolviert und möchte erst einmal einen kurzen Einblick  geben, was der OK ist.

Offene Kanäle sind von Bürgerinnen und Bürgern veranstaltetes lokales oder regionales Radio und Fernsehen. Sie bilden neben dem öffentlich-rechtlichen und dem privat-wirtschaftlichen Rundfunk die dritte Säule des Rundfunksystems in Deutschland und werden ganz oder teilweise aus Rundfunkgebühren finanziert. Dies geschieht – ähnlich wie bei Radiosendern wie Radio Hochstift -, um die Meinungsfreiheit zu garantieren und den Bürgern eine Plattform zu bieten, ihre Meinung zu publizieren. Wie ich jedoch erst später erfahren habe, dient der OK nur dazu, eben diese Meinungen weiterzuverbreiten, nicht, Sendungen zu produzieren.

Ich werde im Folgenden nun einen Überblick über meine Praktikumszeit beim OK geben.
Tag I:

So, ich stehe nun zum ersten Mal vor dem Gebäude des OK Paderborn. Es ist ein relativ unscheinbares eineinhalbstöckiges Gebäude mitten im Industriegebiet Paderborns an der Friedrich - List – Straße. Ha. Schon das erste Mal falsch gedacht – Der Eingang zum Gebäude befindet sich an einer Seitenstraße. Es ist 15.45 Uhr, um 16 Uhr muss ich da sein. Ich betrete das Gebäude, es riecht intensiv nach Zigarettenqualm und das ganze Ambiente macht den Eindruck, als wäre es direkt aus einem Film entsprungen. Ein Mann geht an mir vorbei. Von Matthias Schlüter, meinem Praktikumsbetreuer, erfahre ich später, dass das der Chef ist. 

Es ist 16 Uhr, ein weiterer Praktikant von einer Gesamtschule kommt und hat auch seinen ersten Tag. Ilona, die Sendeplanerin, stellt uns das Gebäude mit dem Studio, der Sendestraße und der Sendeplanung vor. Für ein bald anstehendes Event müssen wir nun eine Leinwand montieren. Da sich Matthias dabei sehr ungeschickt anstellt, dauert das gut eine dreiviertel Stunde, bis 17 Uhr werden wir gar nicht weiter beachtet. Dann werden wir mit in die Sendestraße genommen, wo uns einige Technik vorgestellt wird und wir uns während der Sendezeit ein wenig mit der Lichtanlage (350000 Watt(!!!)) beschäftigen. Das war’s dann auch schon fast mit dem ersten Tag, wir haben nicht wirklich viel machen können. Um 20 Uhr ist offiziell schon wieder frei, ich aber bleibe noch fast bis 21.30 Uhr und unterhalte mich mit dem Chef, der mir etwas aus der Branche berichtet, etwa, dass der Beruf des Medientechnikers leider hoffnungslos überlaufen sei. Um 22.15 Uhr komme ich nach Hause.


Tag II:

So, wieder überpünktlich, warte ich darauf, dass der Chef endlich kommt und die Tür aufschließt. Dieser kommt um Punkt 1600 Uhr, wir betreten die Räumlichkeiten (der Zigarettenqualm beherrscht  immer noch die Szene) und bekommen mitgeteilt, dass wir uns heute mit den Kameras auseinandersetzen werden, Matthias gibt uns einen Crashkurs in Sachen Kamerabedienung (Weiß-Abgleich ist nur eines der Dinge, die mir vorher noch nicht bekannt waren) und Kamera-Führung. Dabei wäre mir fast eine der schweren 16.000 €-Kameras von der Schulter gefallen - gut nur, dass der Chef das nicht gesehen hat.


Bis 18 Uhr sind die Kameras wieder verstaut, wir werden weiter in die Technik der Sendestraße, von wo aus das Signal gemischt und ins Kabelnetz eingespeist wird, eingeführt und dürfen bereits selber Videos für ihre Ausstrahlung vorbereiten.

Tag III:

Heute geht’s ans Eingemachte: Die Studiotechnik verlangt Aufmerksamkeit. Wir bekommen die ausgeklügelte Lichttechnik und deren Schienensystem (alle Lichter können schnell bewegt werden) erklärt und erhalten einen Einführungskurs in Sachen Beleuchtung – schwieriger und komplexer, als ich gedacht hatte. Gegen Abend werden wir in das Rauch geschwängerte Büro des Chefs beordert und bekommen eine „Hausaufgabe“: Wir müssen einen Praktikumsfilm drehen. Während wir in der Sendestraße auf das Ende der aktuellen Sendung warten, überlegen mein Mitpraktikant Nico und ich, was wir denn als Thema wählen können. Schnell einigen wir uns darauf, keine Reportage, sondern einen Kurzfilm zu drehen, in dem es um einen suizidgefährdeten Jungen geht.


Tag IV

Offiziell ist Donnerstags kein Betrieb im OK. Wir haben uns trotzdem getroffen, um unseren Film weiter zu besprechen. Also fahre ich um 11 Uhr zu Nico nach Paderborn, gegen 20 Uhr steht das fertige Skript. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass dies so viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber es hat viel Spaß gemacht und ich konnte noch einiges von Nico und Matthias lernen, die beide in den Kammerspielen als Techniker bzw. Schauspieler nebenbei tätig sind.

Tag V

Heute treffen wir uns um 11 Uhr, um ein Storyboard zu zeichnen. Nun, als wir dies unserem Chef zeigten, hat er sehr darüber gelacht, aber im Nachhinein bin ich der Meinung, dass unsere künstlerischen Anstrengungen sich doch gelohnt hatten, da wir schon ungefähr im Vorfeld wussten, welche Kameraeinstellungen wir benötigten. Da klar war, dass wir auch in der Schule drehen müssen, war ich auch heute morgen um 8 Uhr in der Schule um den Direktor Herrn Gödde um eine Dreherlaubnis zu bitten. Auch die Drehorte und –Termine sind nach dem heutigen Tage klar: Montagmorgen wollen wir in die Innenstadt, um dort einige Aufnahmen zu machen, Dienstag ins GSN, dort unsere Takes abfilmen und den Rest werden wir am Donnerstag und Freitag bei Nico zuhause fertigstellen, wo er sich schließlich - im Film - aus dem Fenster stürzt, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Um 18.00 Uhr sind wir zu erschöpft, um weiter zu planen und verabschieden uns.

Tag VI

Samstagmorgen um 9 Uhr aufstellen. Das fällt nach einer anstrengenden Woche mit sehr außergewöhnlichen Arbeitszeiten nicht leicht.  Aber es findet ein Schnittkurs im OK statt, der normalerweise 20 Euro kostet und für uns Praktikanten kostenlos ist. Das will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Was mich allerdings erwartet, ist für mich enttäuschend: Der Referent gibt eine 4stündige Einführung in Pinnacle Studio 8.
Das ist ein Amateurschnittprogramm, welches ich bereits vor Jahren mühelos beherrschte. Mittlerweile bin ich auf professionellere Schnittprogramme umgestiegen. Um 15.30 Uhr komme ich enttäuscht zuhause an, nachdem ich vorher aber noch mitgeholfen habe, die Hardware abzubauen und aufzuräumen.

Die 2. Woche

Tag VII
Jetzt geht’s los: Wir holen uns um 9 Uhr eine 16.000-Euro-Profikamera mitsamt 1000-Euro-Stativ von einem ziemlich besorgten Praktikumsbetreuer ab und fahren in die Innenstadt. Wir stellen die Kamera in der Mitte der Fußgängerzone auf und filmen die Westernstraße herunter. Ziel ist es, die aufgenommen Menschen „laufen“ zu lassen, den Hauptprotagonisten sich aber langsam umschauend zu zeigen. Dieser muss später mit Bluescreen aufgenommen werden. Aber die Aufnahme ist nicht so einfach wie gedacht – erst fängt es an zu regnen und dann laufen viele Menschen extra vor der Kamera her, es dauert keine 5 Minuten, bis wir gefragt werden, was wir drehen, wo und wann es ausgestrahlt wird. Wie dem auch sei, wir haben dann doch noch einige Minuten ungestört aufzeichnen können und nachmittags beginnen wir – neben einer Einführung in die Sendeplanung durch Ilona – mit der Ausleuchtung des großen Bluescreens im OK.


Ziel ist es, einen Schauspieler vor blauem Hintergrund zu filmen. Dieser blaue Hintergrund wird später extrahiert („herausgekeyed“) und durch unser beschleunigtes Video aus der Fußgängerzone ersetzt. Dabei darf kein einziger Schatten zu sehen sein. Eine schwierige Aufgabe, die wir jedoch mit Hilfe der üppig ausgestatteten Lichttechnik gut meistern können. Gegen Abend wird mir auf einmal schlecht, bekomme Fieber und bin für den Rest des Abends nicht mehr zu gebrauchen – der Plan, am nächsten Morgen in der Schule zu drehen, ist gefährdet.


Tag VIII

Mir geht es deutlich besser, ich quäle mich um 7 Uhr aus dem Bett, packe alle Sachen zusammen und treffe mich um 8 Uhr mit Nico im Foyer des GSN. Nach einer Anmeldung beim Direktor beginnen die Dreharbeiten, die auch fast bis 13.30 Uhr dauern und wegen der teuren Profikamera viele neugierige Blicke auf sich ziehen. 
Im OK drehen wir mit den Studiokameras vor dem am Vortag ausgeleuchteten Bluescreen und stellen beim Compositing (so wird das Verfahren genannt, wenn man ein Video über das andere legt) fest, dass es schwierig ist, den gleichen Kamerawinkel einzustellen wie in der Fußgängerzone.

Tag IX

Heute ist nichts Besonderes geplant, also warten wir die teuren Kameras, nehmen sie auseinander und reinigen die Objektive, die halb so viel kosten wie der Rest der Kamera und stellen fest, dass sie den Großteil des Gewichts in Anspruch nehmen. Außerdem dürfen wir heute komplett selbstständig senden und einen gößeren Teil in der Sendeplanung übernehmen. Schon relativ früh machen wir Schluss und ich bin um 20.45 Uhr zuhause.

Fotos und Text: Jan Schumacher