Boys Day am GSN 2004 21.04.2004

Boys Day am GSN

Am 22.04.2004 fand bundesweit der 4. Girls Day statt. Er fand mehr noch als in den vergangenen Jahren überaus großen Anklang. In 5100 Veranstaltungen konnten sich über 111 000 Mädchen über ihre beruflichen Perspektiven und ihre Lebensplanung informieren.
Parallel dazu wurde am GSN zum 2. Mal ein Boys Day durchgeführt - allerdings noch in einem relativ kleinen Rahmen für einen Kreis von Jungen aus der Jgst. 8. Ziel des Tages war es, dass die Jungen sich intensiv mit ihren persönlichen Berufs- und Lebenszielen auseinandersetzen und miteinander darüber ins Gespräch kommen sollten. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle und den gesellschaftlichen Anforderungen an die späteren Männer sollte Bewusstsein schaffen für mögliche Konfliktfelder und Lösungsansätze des "Junge-Seins" bzw. "Mann-Seins".

Frohgelaunt und hochmotiviert, wenn auch etwas unsicher darüber, was sie erwarten würde, starteten die Jungen in den Tag. Man merkte vom Anfang an, dass es ihnen ganz gut tat mal "unter sich" zu sein und "Männerthemen" zur Sprache bringen zu können.
In einem ersten Block suchten die Teilnehmer typische Frauen- und Männerberufe und diskutierten anschließend darüber, was diese Berufe zu geschlechtertypischen Berufen macht. Es wurde deutlich, dass hierbei in der Gesellschaft eine Menge vorgefertigter Urteile dazu führen, dass Berufe als für das jeweilige Geschlecht typisch qualifiziert werden und somit Interessierten des anderen Geschlechts der Zugang zu bestimmten Berufen von Vornherein erschwert wird.

Gespannt lauschten die Jungen einem Artikel aus "Die Zeit" in dem der Autor auf sicherlich pointierende Weise einige Wahrheiten hinsichtlich der Geschlechter und ihrer Vor- und Nachteile im Leben vorstellte. Er präsentierte in erster Linie Statistiken, die eine allgemeine Benachteiligung des männlichen Geschlechts zu belegen schienen. So haben Männer unter anderem deutlich weniger Rechte hinsichtlich des Sorgerechts für Kinder, werden bei Gerichtsurteilen härter bestraft und medizinisch eher schlechter versorgt. Am Ende seiner Ausführungen sprach er die Bitte aus, dass das so stark bevorteilte weibliche Geschlecht den Männern einigen Dank entgegenbringen sollte.
Intensiv wurde die Frage nach der eigenen Geschlechter-Identität bearbeitet. Die Jungen suchten sog. typische Merkmale für Jungen und Männer heraus und stellten fest, dass die eigenen und gesellschaftlichen Vorgaben an die jetzige und zukünftige Rolle recht hoch und durchaus widersprüchlich seien, sodass ein Finden der eigenen Identität als Junge und Mann keine so einfache Aufgabe darstellt.

Die Beschäftigung mit dem eigenen Ich war einigen zu Anfang etwas fremd, jedoch entwickelten die Jugendlichen im Laufe des Vormittags deutlich Freude an dieser Aufgabe - wie diese zufriedenen Gesichter zeigen.
Die Ergebnisse der Arbeitsphasen wurden für alle sichtbar präsentiert und dokumentierten die Ernsthaftigkeit, mit der die jungen Männer an die Arbeit gingen.

Überrascht waren die Teilnehmer von der Vielzahl an pädagogischen Ratgebern, die sich mit der Erziehung des "starken Geschlechts" befassen. Mit "Kleine Helden in Not" wurde eine Tür zu einem Problemfeld geöffnet, dass bis dato so nicht im Blickfeld der Erzieher lag: dass Jungen in der Erziehung eher vernachlässigt werden und sich selbst überlassen bleiben.

Die Vielzahl an Ratgebern bestätigt, dass auf diesem Gebiet offenbar starker Nachholbedarf besteht - im Interesse der späteren Männer!

Text und Gestaltung:
Johannes Dachner, Hannah Sievers