„Benedikto ganz nah“: Impressionen vom Weltjugendtag 19.08.2005

„Benedikto ganz nah“:
Impressionen vom Weltjugendtag

Das Marienfeld – wer hatte nicht schon Monate vorher von dem Acker bei Köln gehört? Doch sollte dieses gewöhnliche Feld nicht gewöhnlich bleiben, sondern zum Anlass des 20. Weltjugendtages Platz für beinahe 1000 000 Menschen bieten und Ort für die internationale heilige Messe mit dem neuen Papst, Benedikt dem XVI, sein. Die Aufregung war unter uns Pilgern sehr groß und die Erwartungen auf das Wochenende des 20. und 21. August 2005 stiegen mit jedem Tag. Am Samstagmorgen war es dann endlich so weit. Das Gepäck wurde auf den Rücken geschnallt und es ging los zum „heiligen Acker“, wie das riesige Feld liebevoll von uns genannt wurde. Doch zunächst mussten wir uns noch in Geduld üben, denn schnell ging in Köln an diesem Tag gar nichts. Alle Pilger strömten in Richtung Marienfeld und deshalb war an den U-Bahnstationen, Bushaltestellen und Bahnhöfen erst einmal Warten angesagt.


Doch all das war vergessen, als man aus den Shuttle Bussen heraus schon die „Wolke“ erkennen konnte. Die Wolke war das weiße „Zelt“, unter dem sowohl am Samstagabend, als auch am Sonntagmorgen der Papst und seine vielen Begleiter die Vesper und die Messe feierten. Als wir dann endlich an unserem Ziel ankamen, verschlug es uns allen erst einmal die Sprache. So viele Menschen auf einmal hatten wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen. Es waren überall Pilger mit ihren blauen Pilgerrucksäcken zu sehen – ein wirklich beeindruckendes Bild.


Zwar waren wir auf dem Feld angekommen, allerdings hieß das noch lange nicht, dass wir an unserem Übernachtungsplatz waren. Wir suchten nun fieberhaft nach unserem Sektor, auf dem uns unsere Schlafplätze zugeteilt worden waren. Wie wir allerdings feststellen mussten, hätten wir uns diese Kilometer sparen können, denn der komplette Sektor war voll von Menschen! Wir hatten absolut keine Chance noch einen Platz zu finden, also zogen wir weiter und entdeckten dann doch noch ein Fleck Grün, auf dem wir unsere Isomatten für die Nacht ausrollen konnten.

Zelte waren auf dem Marienfeld nicht gestattet, sondern nur Isomatten bzw. Luftmatratzen und Schlafsäcke. Also bangten wir den ganzen Abend, dass es nicht anfangen würde zu regnen. Doch wie sich herausstellte, waren unsere Sorgen unbegründet gewesen, denn es regnete nicht.

 

Am Abend gegen 21 Uhr wurde der heilige Vater erwartet. Die Menschenmassen stimmten sich schon lange Zeit vorher auf seine Ankunft ein, denn oft hörte man laute „Benedikto“ Rufe.


Erwartungsvolle Blicke schweiften immer wieder nach oben zum Himmel und gegen 21.15 landete der Hubschrauber des Papstes. Bis nachts dauerte die Vesper zusammen mit dem heiligen Vater. Es war ein tolles Erlebnis, als es dunkel wurde, 1000 000 Kerzen angesteckt wurden und dabei die Stimme von Benedikt dem XVI durch das Mikrophone schallte! Aber auch nachdem die Vesper vorbei war, wurde es noch lange nicht ruhig unter den vielen Menschen. Noch immer wehten viele Fahnen durch die kalte Nacht, internationale Kirchenlieder wurden gesungen und oft sah man auch Jugendliche ihre traditionellen Tänze tanzen. Die offene Art der Leute und ihr Interesse machten diese Tage wirklich zu „Tagen der Begegnung“! Wir haben teilweise einfach bei einer Gruppe mitgetanzt (auch wenn wir nicht wussten wie!) oder wir wurden spontan angesprochen. Es war immer Aktion!


Doch irgendwann besiegte die Müdigkeit unsere Aufregung und nachdem drei Pullover übergezogen worden waren, kuschelten wir uns in unsere Schlafsäcke, wo wir von einem warmen, gemütlichen Bett nur träumen konnten! Am nächsten Morgen wurden schon früh einige der Weltjugendtagslieder angestimmt und so bereiteten wir uns erneut auf die Ankunft des heiligen Vaters vor. Diese heilige Messe war auf jeden Fall ein Erlebnis…wieder konnte man ein Meer aus Flaggen bewundern, während man den heiligen Vater aus der Entfernung nur als eine kleine Figur ausmachen konnte.


Allerdings machte sich unsere Gruppe schon vor Ende der Messe auf den Weg, um das Feld noch vor dem großen Abschied verlassen zu können. Unser Bus, der uns ins schöne, nicht überfüllte Paderborn bringen sollte, hatte, wie alle anderen Busse, auf der Autobahn A1 geparkt. Es war also erst noch ein ziemlich langer Marsch bis dort, auf dem allerdings auch die vielen neuen Eindrücke ausgetauscht werden konnten!

Alles in allem fanden wir den Weltjugendtag in Köln sehr schön, erlebnisreich und interessant. Vor allem das Marienfeld war natürlich ein großes Erlebnis, als wir mit so vielen anderen Jugendlichen, jung gebliebenen, Diakonen, Priestern, Bischöfen, Kardinälen und dem Papst eine Open Air Messe feiern konnten! Es war unglaublich die vielen verschieden Menschen aus über 192 Nationen zu sehen und zu wissen, dass wir alle an denselben Gott glauben und doch so weit auseinander wohnen! Diese Tage in Köln und auf dem Marienfeld werden wir nicht so schnell wieder vergessen!



Text:
Andrea Höveken und Anja Engels
Gestaltung: Jürgen Möller & Eva Nicolin-Sroka




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