GSN-Schüler als Physik-Jungstudierende

Erfahrungsbericht

Im Wintersemester 2016/17 erhielten vier Schüler des GSN die Möglichkeit, am Jungstudierenden-Programm des Departments Physik der Universität Paderborn teilzunehmen. Man bestritt dabei, gemeinsam mit den „echten“ Studenten, das Physikalische Laborpraktikum A, welches im ersten Semester des Bachelor-Studiengangs Physik angesetzt ist.

Im Vorfeld war jeweils eine Bewerbung um einen der sechs zur Verfügung gestellten Plätze erforderlich. Folglich erhielten alle vier GSN-Schüler, die sich beworben hatten, auch die Möglichkeit der Teilnahme. Das Ziel des Praktikums ist es, den Studenten (und Jungstudierenden) die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und Experimentierens näher zu bringen.

Das Modul besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Im ersten Teil werden fünf zweistündige Vorlesungen besucht. Dabei wurden die verschiedenen Phasen im Prozess des wissenschaftlichen Experimentierens erklärt. Zu jeder Vorlesung gehört eine Übung in einer kleineren Gruppe, bei der das zuvor gehörte angewendet werden sollte. Hierbei sollten die Dichten verschiedener Obst- und Gemüsesorten bestimmt werden. Ein solches vergleichsweise triviales Experiment eignete sich gut, um die anzuwendenden Methoden zu verinnerlichen. Nach diesem ersten Abschnitt des Praktikums wusste jeder Teilnehmer, wie er Messwerte aufnimmt und Ungenauigkeiten dokumentiert. Außerdem konnte nun jeder eine grafische Auswertung mit dem Computerprogramm QtiPlot durchführen und einen Versuchsbericht mit dem Programm LaTeX schreiben. Hat man diesen Bericht schließlich erfolgreich geschrieben, so konnte man das Praktikum im zweiten Teil fortsetzen.

Im zweiten Block musste man zeigen, dass man die im ersten Abschnitt vermittelten Methoden verstanden hat und umsetzen konnte. Es war nun deutlich mehr Selbständigkeit gefordert. An vier Versuchstagen traf man sich mit sechs Leuten für jeweil vier Stunden im Praktikumsraum. Hier wurden nun in Zweier-Teams Experimente durchgeführt, auf die man sich im Vorfeld mit ausgewählter Fachliteratur vorbereiten konnte und sollte. In den verschiedenen Experimenten wurde die Erdbeschleunigung durch den freien Fall oder durch Versuche mit einem Reversionspendel ermittelt. Zudem wurden in einem Versuch die Impuls- und Energieerhaltung nachgewiesen und in einem Weiteren die Trägheitsmomente verschiedener Körper bestimmt. Die Theorien hinter diesen Experimenten waren teilweise aus der Schule bekannt, manchmal jedoch auch völlig neu. Hilfreich war dabei stets, dass man jedes Experiment zu zweit durchführte und darüber hinaus im Austausch mit den anderen beiden Zweier-Teams stand, welche parallel mit ähnlichen Experimenten beschäftigt waren. Schließlich musste jeder Teilnehmer aus jedem Zweier-Team zu zwei der vier Experimente einen Bericht schreiben, der nach einer Woche beim entsprechenden Betreuer abzugeben war.

Schließlich war die Teilnahme am Praktikum durchaus zeitaufwändig, weil man nicht nur Zeit in der Universität verbrachte, sondern auch zu Hause einige Stunden in die Vor- und Nachbereitung der Experimente investieren musste. Das Jungstudierenden-Programm ist dennoch sehr lohnenswert, weil man einen sehr detaillierten Einblick in den Studiengang Physik erhält. Das liegt daran, dass man alle Veranstaltungen zusammen mit den anderen Studenten besucht und daher ein realistisches Bild vom Studium bekommt, welches bei der Entscheidung für oder auch gegen ein Studium helfen kann. Sollte man sich nach dem Abitur tatsächlich für ein Physik-Studium in Paderborn entscheiden, so erhält man die zuvor investierte Zeit zurück, weil man das Praktikum dann nicht erneut absolvieren muss. Somit ist das Jungstudierenden-Programm des Departments Physik der Universität Paderborn sehr zu empfehlen, insbesondere für alle physikalisch interessierten Schülerinnen und Schüler der Jgs. 12, die sich von einer kleinen Extrabelastung neben dem Schulalltag nicht abschrecken lassen.

Text: Daniel Perniok, Fotos: Ch. Koböke