Seminar gegen Flugangst

Seminar gegen Flugangst

Ein Unterrichtsprojekt des Pädagogik-Leistungskursus 12PAL1 des Gymnasium Schloß Neuhaus im Rahmen der "Gestaltung des Schullebens und Öffnung von Schule" (GÖS), durchgeführt am 16.11.1998 mit Hilfe der Flugbetriebsgesellschaft des Flughafens Paderborn/Lippstadt - einem Unternehmen vor Ort.


Zur Vorgeschichte:


Im zweiten Halbjahr des Pädagogikunterrichts der Jahrgangsstufe 11 ist das Kursthema Lernen verbindlich. Unter anderen Teilthemen und Lerntheorien wird das Klassische Konditionieren vermittelt, mit dem insbesonders Ängste gelernt werden können. Mit Hilfe dieser Lerntheorie können Ängste aber auch beseitigt werden.
Der Bericht der Neuen Westfälischen vom 25.05.1995, der darstellte, daß am Flughafen Paderborn/Lippstadt Seminare gegen Flugangst erfolgreich durchgeführt werden, war Anlaß für unseren Kurs, selbst den möglichen Ablauf eines solchen Seminars zu überlegen. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten zeigten, daß die Schülerinnen und Schüler realitätsnahe Lösungsvorschläge erarbeiteten, die sich allesamt durch ganzheitliche Vorgehensweisen auszeichneten: ein erstaunliches Ergebnis.
Nach der Vorstellung der Gruppenergebnisse entstand die Idee, man könne sich doch an den Flughafen zu wenden, um Näheres über die professionellen Flugangstseminare zu erfahren. Mit Hilfe eines Mitschülers, der seine Berufsorientierungswoche in der Technikabteilung einer Fluggesellschaft absolviert hatte, wurden erste Kontakte geknüpft.
Die Telefonate mit dem Chef der Flugbetriebsgesellschaft zeigten, daß Herr Brockmeyer unserem Anliegen sehr positiv gegenüberstand. Er lud uns zu einem Besuch ein, der ein Gespräch mit dem Leiter der Flugangstseminare und eine Besichtigung des Flughafens beinhalten sollte.
Die weiteren notwendigen Abstimmungen mit der Flugbetriebsgesellschaft und innerhalb des Kursus waren in jeder Hinsicht erfreulich, so daß ich mich ermutigt fühle, für die Zukunft ähnliche Projekte ins Auge zu fassen.

Werner Pötting, Kurslehrer

Adressen:
Gymnasium Schloß Neuhaus
Marstallstr. 13
33104 Paderborn
Tel: 05254/992200
Fax: 05254/992233
e-mail:w-poetting@gsn.pb.nw.schule.de

Informationsschreiben


Die Schülerinnen und Schüler des Pädagogik-Leistungskursus 12PAL1 erhielten folgendes Informationsschreiben:

Besuch bei der Flughafen-Betriebsgesellschaft des Flughafens Paderborn-Ahden zum Thema Flugangst am 16.11.1998
17.15 Uhr:
Abfahrt des Busses der Fa. Berens in Hövelhof (bei Wisto Wigge)
17.30 Uhr:
Abfahrt an der Schloßkreuzung in Schloß Neuhaus (vor der Schloßmauer)
18.00 Uhr:
Beginn der Veranstaltung am Flughafen:
Begrüßung durch die Organisatorin Frau Horstschäfer (Marketing)
Seminar zum Thema Flugangst mit Herrn Schöning (Seminarleiter, Coach):
Statement von Christoph Malek und Kerstin Eckstein
Information und Diskussion
Berufsbilder im Bereich Seminar gegen Flugangst
20.00 Uhr, ca.
Besichtigung des Flughafens
Zugang auch zu verschlossenen Bereichen
Evtl. Zugang zum Fluggerät (Der Zugang hängt von der Tagessituation bzw. von den aktuellen Möglichkeiten ab)
21.00 Uhr, ca.
Rückfahrt mit dem Bus nach Schloß Neuhaus, Sennelager und Hövelhof
Die Kosten für die Veranstaltung werden dankenswerterweise von der Flugbetriebsgesellschaft übernommen.
Die Kosten für Hin- und Rückfahrt tragen die Schülerinnen und Schüler.
Ein Vorschlag für einen Presseartikel wird vom Kurs vorbereitet, ebenso die Fotos.
Ein Dankesschreiben - als Rückmeldung - wird vom Kurs formuliert.

Gespräch mit dem Seminarleiter:


Als Vorbereitung für den Besuch bei der Flugbetriebsgesellschaft des Flughafens PAD wurden vom Kurs in Gemeinschaftsarbeit mögliche Fragen erarbeitet. Die Erarbeitung der Fragen sollten die Wiederholung und Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand aus 11/2 bewirken und die Fragestellungen vor Ort erleichtern. Außerdem war zu erwarten, daß sich durch die intensive stoffliche Auseinandersetzung und Vorbereitung weitergehende Fragestellungen ergaben, die ein flexibles Agieren in der Ernstsituation ermöglichten.


Mögliche Fragen zum Thema Flugangst:


Wie lange dauert ein Seminar?
Welche Methoden werden angewandt?
Findet Einzel- oder Gruppentherapie statt?
Wie wichtig sind die Ablenkungen durch Leckereien, durch Unterhaltung, durch visuelle Reize?
Bleiben die Teilnehmer anonym?
Wie hoch ist die Erfolgsquote bei Seminarteilnehmern gegen Flugangst?
Ist es für Flugängstliche sinnvoll, mehrere Seminare mitzumachen?
Wieviel Teilnehmer gibt es pro Seminargruppe durchschnittlich?
Gibt es für Kinder ein spezielles Programm gegen Flugangst?
Haben die Leute weniger Angst, wenn es dunkel ist?
Welches ist der größte Angstfaktor?
Was machen die Stewardessen, wenn jemand Panik bekommt?
Haben Menschen eher in größeren oder in kleineren Flugzeugen Flugangst?
Gibt es auch unheilbare Fälle?
Kann man den Grund für die Angst herausfinden?
Wird die Flugangst dauerhaft beseitigt oder nur vorübergehend?

Eingangs-Statement:


Guten Abend meine Damen und Herren. Wir - Kerstin Eckstein und Christoph Malek - sind heute die Vertreter des Pädagogik-Leistungskursus der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Schloß Neuhaus. Wir sind 27 Schüler und Schülerinnen in diesem Kurs, und unser Kursleiter ist Herr Pötting.

Im 2. Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 war unser Thema: Lernen. Dabei behandelten wir u.a. das klassische Konditionieren (Stichwort: der Pawlowsche Hund!) und das operante Konditionieren als Methoden, um das Verhalten (von Lebewesen ) zu verändern. Man kann mit diesen Methoden u.a. Furchtverhalten hervorrufen, aber genauso auch vorhandene Ängste oder Phobien beseitigen.

Bezüglich der Phobien haben wir einen Film zur Behandlung von Klaustrophobie gesehen. Im Film ging es um einen Mann, der unter Klaustrophobie litt und panische Angst davor hatte, eine U-Bahn-Station zu betreten, geschweige denn mit einer U-Bahn zu fahren. In dem Film wurde auch gezeigt, wie der Mann therapiert wurde. Dabei gab es etliche Zusammenkünfte, bei denen der Patient Entspannungsübungen machte und sich unter der Anleitung des Therapeuten schrittweise der U-Bahn-Station näherte und letzten Endes auch fähig war, mit der U-Bahn zu fahren.

Während der Unterrichtsreihe gab uns Herr Pötting einen Zeitungsartikel aus der Neuen Westfälischen vom 25.5.1995, in dem es um Seminare gegen Flugangst ging. Aus diesem Anlaß haben wir uns mit der Behandlung von Flugangst beschäftigt. Dabei ist uns bewußt geworden, daß sich Flugangst aus mehreren verschiedenen Ängsten zusammensetzt: da wären z.B. Platzangst, Höhenangst, die Angst vor dem Abstürzen oder die Angst, sein Leben in die Hände von Fremden zu geben.

Daraufhin haben wir innerhalb des Kursus in Gruppen erarbeitet, wie ein Seminar gegen Flugangst aussehen könnte.

Kerstin Eckstein und Christoph Malek


Frau Horstschäfer (Flugbetriebsgesellschaft) und Herr Schöning (Seminarleiter)

Protokoll zum Thema "Flugangstseminar"


Um den Inhalt der Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Frau Horstschäfer (Flugbetriebsgesellschaft) und Herrn Schöning (Seminarleiter) festzuhalten, wurden vier Protokollantinnen bzw. Protokollanten ausgewählt. Es zeigte sich, daß sie ihre Aufgabe mit unterschiedlicher Systematik angingen. Im folgenden wird eins der Protokolle aufgeführt.

Flughafenbesuch des Pädagogik-Leistungskursus am 16.11.1998

Nach einer offiziellen Begrüßung wurden Fragen zum Thema "../../bilder/flugangstseminar" beantwortet und erläutert.
Seminar gegen Flugangst dauert 3 Tage. Um den Teilnehmern zu helfen, ihre Angst Stück für Stück zu überwinden, schreiben zunächst alle Teilnehmer auf, welche Art von Beschwerden sie in Verbindung mit einem Flug haben, wie z.B. Kniezittern, Verkrampfen der Hände etc. Danach tragen es die Teilnehmer den anderen - es sind durchschnittlich 10 Personen in einer Seminargruppe - vor. Sie sollen merken, dass sie nicht alleine mit ihren Beschwerden bzw. Problemen sind. Weiterhin werden Entspannungsübungen mit z.B. Musik durchgeführt. Die Technik des Fluggeräts wird erklärt, um Ängste in diesem Bereich zu verringern oder ganz zu vermeiden. Zum Schluß wird auch ein Rundflug durchgeführt, um den Personen das Fluggerät näherzubringen. In der Regel werden diese Therapien als Gruppentherapien durchgeführt, damit Erfahrungen untereinander ausgetauscht werden können. Eine Einzeltherapie findet nur statt, wenn ein Teilnehmer in der Gruppentherapie zu keiner Verbesserung kommt. Insgesamt ist die Erfolgsquote bei Seminarteilnehmern gegen Flugangst sehr hoch.
Während eines Fluges sind Ablenkungen durch Leckereien, Unterhaltung etc. besonders wichtig bei Personen, die an Flugangst leiden, da solche Ablenkungen beruhigend wirken.
Manchmal ist es für Flugängstliche sinnvoll, mehrere Seminare mitzumachen, wenn z.B. die Flugangst nur vorübergehend und nicht dauerhaft beseitigt wurde. Bei Kindern kommt Flugangst eigentlich nicht vor. Kinder sagen sofort Bescheid, wenn sie Angst haben. Meistens ist es dann der Druck auf den Ohren, der sehr kleine Kinder zum Weinen bringt. Am besten ist es, wenn man früh lernt, mit dem Fliegen umzugehen. Gerät im Flugzeug doch jemand in Panik, reden die Stewardessen der betreffenden Person gut zu und versuchen sie abzulenken.
Im Dunkeln ist die Angst meistens noch etwas stärker, da man weniger abgelenkt ist. Zum Schluss wurde die Frage gestellt, ob der Grund für die Angst herausgefunden werden kann. Gab es z.B. einmal einen Unfall in der Kindheit einer Person, ist die Angst normal, und das ist dann der Grund. Manchmal kann man den Grund jedoch nicht eindeutig feststellen. Man muss sich dann mit der Antwort abfinden, dass der Mensch einfach nicht zum Fliegen geboren ist.
Danach hatte der Kurs die Möglichkeit, den Flughafen zu besichtigen. Auch hier wurde alles genau erklärt. Zum Abschluss des Besuchs des Flughafens konnte ein Flugzeug besichtigt und ein Gespräch mit dem Piloten geführt werden.

Bettina Lauer


Frau Horstschäfer (Flugbetriebsgesellschaft) erklärt den Flughafenbetrieb


(Zeichnung: H. Schöning, protokolliert von Nadine Hoffmann / 11.1998)


(Zeichnung: H. Schöning, protokolliert von Nadine Hoffmann / 11.1998)

Evaluation:


Nach dem Flughafenbesuch wurde in der Schule eine anonyme Beurteilung der Veranstaltung vorgenommen. Unter der Überschrift "Was war gut? - Was war schlecht?" hatten die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, Lob und Tadel zu formulieren. Sie wußten, daß die Beurteilung allen am Projekt Beteiligten zur Verfügung stehen würde, und machten regen Gebrauch von dieser Möglichkeit der Meinungsäußerung. Die Zusammenfassung diente nicht nur der Betriebsgesellschaft als Rückmeldung, sondern ermöglichte auch den Schülerinnen und Schülern den Vergleich der eigenen Meinungen mit den Sichtweisen der anderen.

Nachtrag:




Aus den Stellungnahmen der Schülerinnen und Schüler wurde deutlich, daß es sich gelohnt hat, den Versuch zu unternehmen, vor Ort mit Menschen zusammenzukommen, die beruflich mit dem Thema Flugangst befaßt sind. Als Lehrer kann ich zwar Wissen und Methoden vermitteln, aber ein Seminar gegen Flugangst habe ich – wen wundert’s – nie selbst geleitet. Durch den Besuch des Flughafens und durch den erhöhten Praxisbezug konnte die Anschaulichkeit des im Unterricht theoretisch vermittelten Themas wesentlich verbessert werden.

Während des Flughafenbesuchs sind die Schülerinnen und Schüler mit mehreren beruflichen Tätigkeiten konfrontiert worden: Arbeit des Seminarleiters bzw. Trainers; Bereich Marketing; Sicherheitsdienst und Aufgabenbereich des Piloten. Insofern stellt dieser Besuch gleichzeitig einen Beitrag zur Berufsorientierung dar.

Im Verlauf des Besuchs beim Flughafen hat sich etwas Besonderes ergeben: Das Projekt, das aus dem Thema Lernen heraus entstanden ist, hat neugierig gemacht auf technische und wirtschaftliche Zusammenhänge.

Werner Pötting, Kurslehrer


In der Warteschlange: Die Schülerinnen und Schüler im Flugzeug. Die Piloten zeigen das Cockpit und stehen Rede und Antwort.

(Fotographien: Werner Pötting / 11.1998)

© 1998 Gruppe 12PAL1 GSN