Field Holler

Die Wurzeln der Jazzmusik

Field Holler


Field Hollers wurden auf den riesigen Baumwollfeldern der Südstaaten der USA ge- sungen. Man verschaffte sich dadurch Erleichterung, dass man in expressiven "Cries" seine Gefühle ausdrückte und so ein Mittel fand, sie zu beherrschen. Außerdem  vertrieb man sich die Langeweile, indem man über mehrere hundert Meter Nachrich- ten übermittelte und mit seinen Leidensgenossen kommunizierte.


Hörbeispiel: 


Horace Sprott: "My Little Annie, So Sweet"
(Alabama, 1955)




Das Tonmaterial dieses Field-Hollers zeigt die für den Jazz typischen Merkmale eines Akkulturationsprozesses, da sowohl europäische als auch afrikanische Einflüsse zu erkennen sind:

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Grundton, Quarte, Quinte und Sexte werden wie in der europäischen Musik intoniert.
Terz und Septime werden neutral intoniert, liegen also zwischen dem großen und dem kleinen Intervall oder werden gleitend gesungen.

Die entsprechende Tonleiter nennt man sechsstufige Bluesskala. Sie wird später auch siebenstufig, also mit der Sekunde, verwendet. Die neutral intonierten Töne werden blue notes genannt. Sie stellen ein für den Jazz typisches melodisches Merkmal dar.


Auch die Artikulation weist auf den afrikanischen Ursprung hin:

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Der häufig kraftvolle, quasi angestoßene Einsatz von Tönen wird als Hot-Intonation bezeichnet.
An besonders ausdrucksvollen Stellen werden die Töne scharf und gepresst eingefärbt. Sie werden Hot Tones genannt.
Die schwebende Intonation beim Singen von blue notes (im Notentext mit b bezeichnet) heißt Off-Pitchness, der gleitende Übergang zwischen zwei Tönen glissando.