Striche

Striche 

Striche, so lehrt uns die Geometrie, gibt es gar nicht. Statt dessen Geraden und Strecken. Striche, so die Kunst, gibt es in verschiedenen Formen und Techniken. Nur die Striche selbst, die es ja eigentlich am besten wissen müssten, schweigen zu diesem Thema. Bezeichnend ist, dass viele von ihnen, wie z.B. die Strichpunkte, untertauchen und sich neue Namen zulegen. Sie zeigen sich mal hier, mal da, stehen in der Landschaft herum, ohne jedoch konkret Stellung zu beziehen. Besonders interessant ist ihr Auftritt in Geschichte, Kultur und Zeitgeist. Als Anstreicher wollten sie die Welt regieren, bis ihnen Andere einen Strich durch die Rechnung machten. Als Strichcodes nehmen sie uns heute massenweise Geld aus der Tasche. Oder sie begeistern uns als Streicher in Orchestern, zünden als Streichhölzer Synagogen an, streichen uns allerlei Sachen aufs Brot, Fehler an und Wörter durch. Oder man geht auf ihnen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass ganze Programmpunkte - einfach so - von der Tagesordnung gestrichen werden. Äußerst auffällig sind suizidgefährdete Strichmännchen und verstrichene Möchtegern-Bundestrainer, die sich gerne mal Schneestriche durch die Nase ziehen, bis sie diese irgendwann gestrichen voll haben. So wie ich jetzt auch.


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